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Betriebsführung
Der Ball ist rund – die Fußball WM 2018 im Unternehmen

Die Welt schaut dieser Tage gebannt nach Russland. Aber nicht „mein Tätzchen“ Wladimir Putin steht im Fokus der Öffentlichkeit. Es sind Stars wie Toni Kroos, Lionel Messi, Neymar, Christiano Ronaldo oder Antoine Griezmann, die ab morgen Jung und Alt auf der ganzen Welt begeistern

Kleines Special zum Start der Fußball WM 2018 (Bild: pixabay.com)

Aber wie ist das eigentlich: Darf ich am Arbeitsplatz die Spiele schauen? Kann ich als Unternehmen mit der WM werben? Und wer stattet die Stadien zur WM eigentlich mit Rasen, Technik & Co. aus? Alle Antworten gibt es in unserem kleinen WM-und-Handwerks-Special!

Frage: Darf ich während der Arbeitszeit WM-Spiele schauen?

Viele Spiele der Fußball-WM finden bereits am Nachmittag statt, wenn sich ein Großteil der Berufstätigen noch am Arbeitsplatz befindet. Da kann man doch einen Fernseher im Büro aufstellen oder das Spiel zumindest im Radio verfolgen, oder?
Leider nein. Erlaubt ist das nur, wenn es vom Arbeitgeber ausdrücklich gestattet wird. Während der Arbeitszeit muss gearbeitet werden. Das Spiel nebenbei auf dem Fernseher oder gar in einem kleinen Fenster auf dem Computerbildschirm zu gucken, würde zu sehr von der Arbeit ablenken und ist daher im Normallfall nicht gestattet.
Gleiches gilt für die Übertragung im Radio. An vielen Arbeitsplätzen ist das Hören von Musik erlaubt, weil es die Konzentration fördern kann. Diese Regelung bezieht sich jedoch ausdrücklich auf das Hören von Musik. Die Live-Übertragung eines WM-Spiels lenkt eher ab und regt nicht gerade dazu an, sich besser auf die Arbeit zu konzentrieren.

Der Live-Ticker in Textform kann Abhilfe schaffen, wenn das private Surfen nebenbei erlaubt ist. Ein gelegentlicher Klick auf „Aktualisieren“ ist möglich, wenn es die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt.

Einige Arbeitgeber sind sehr kulant und stellen tatsächlich einen Beamer oder Fernseher auf, um gemeinsam mit den Mitarbeitern die WM-Spiele zu schauen. Sie dürfen jedoch anschließend auch verlangen, dass die Spielzeit im Büro nachgearbeitet oder dafür Guthaben vom Arbeitszeitkonto abgebucht wird.

Frage: Dürfen Unternehmen mit der WM werben?

Für viele Handwerksbetriebe ist die Fußball-WM ein passender Aufhänger für eine Marketingaktion. Doch hier ist Vorsicht geboten. Der Fußballweltverband FIFA gestaltet die Spielräume eng und vieles ist sogar verboten.

Möchte ein Handwerksbetrieb Werbung mit der Fußball WM 2018 machen, muss er dabei zwingend auf das Markenrecht der FIFA achten. Dem Weltverband gehören alle gewerblichen Rechte und er hat die exklusiven Werberechte für die Fußballweltmeisterschaft in Russland verkauft. Lizenzen werden für jedes sportliche Großereignisse von der FIFA vergeben. Dementsprechend zahlen Sponsoren für diese Lizenzen, um offiziell mit der Fußball-Weltmeisterschaft werben oder als Partner auftreten zu dürfen.

Auch ein Handwerksbetrieb kann das Fußballereignis zu Werbezwecken nutzen, muss dabei jedoch auf die Details achten. Verboten ist es, die geschützten Bezeichnungen zu verwenden. Möglich sind nur rein beschreibende Werbeaussaugen, die auf das Ereignis hinweisen. Passend wäre so etwas wie „Weltmeister-Leistung“, „Fan-Rabatt“ oder „Preissenkung gegen das Fußballfieber“.

Folgende Begriffe und Abbildungen sind durch die FIFA geschützt:

  • das offizielle Emblem und Markenzeichen wie FIFA, World Cup, Russia 2018, FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018, FIFA Fussball-Weltmeisterschaft, Copa 2018, Copa Mundial 2018, WM 2018
  • das offizielle Erscheinungsbild/Design
  • der WM-Pokal
  • das offizielle Maskottchen, der Wolf Zabivaka
  • der offizielle Slogan
  • das offizielle Poster
  • die Poster der Spielorte etc.

Trotzdem bleibt die Werbung mit dem Fußballereignis eine kleine Gratwanderung. Insgesamt ist es wichtig, dass das werbende Unternehmen nicht den Eindruck erweckt, Sponsor der Fußball WM 2018 zu sein. Für die Schaufensterdekoration dürfen also beispielsweise auch keine Merchandising-Produkte der WM verwendet werden.

Wer sich nicht daran hält, muss mit Abmahnungen und hohen Geldbußen rechnen. Gerade bei solchen Events schaut die FIFA genauer hin und entdeckt auch kleine Betriebe, die ungewollt gegen die Spielregeln verstoßen.

Auf der Webseite der FIFA gibt es alle Infos zum Thema geschützte Marken auf einen Blick. Wer größere Aktionen plant, kann sich außerdem bei der zuständigen Handwerkskammer beraten lassen.

Frage: Wer stattet die WM in Russland eigentlich mit Rasen, Technik & Co. aus?

Eine Frage, die für alle Handwerker interessant sein dürfte und die die deutsch-russische Außenhandelskammer (AHK) beantworten kann: Mehr als 50 deutsche Unternehmen sind an der Vorbereitung, Durchführung und Nachsorge der Austragungsstätten der Fußball WM 2018 beteiligt. Da kommt einiges zusammen. Den Auftragswert schätzt die AHK auf zwei bis drei Milliarden Euro.

Insbesondere Anbieter, die hochgradig spezialisierte Technik bereitstellen, sind gefragt. Das Bremer Unternehmen Orbiter liefert zum Beispiel die Kamerasitztechnik für die Fernsehübertragung. Die Firma Stechert aus Franken war für die Sitzausstattung der Otkrytije-Arena in Moskau zuständig und der Großkonzern Bosch lieferte die Beschallungs- und Evakuierung Systeme für zwei der WM-Stadien. Auch die Rasenheizungen in elf von zwölf Spielstätten stammen von einem deutschen Unternehmen. Der Polymer-Systemanbieter Rehau aus Oberfranken installierte Komplettlösungen inklusive Drainagen und Abflusssystemen.

Deutsche Unternehmen kommen gut an in Russland. „Sie bieten innovative und nachhaltige Lösungen an, die beispielsweise asiatische Unternehmen nicht haben“, sagt Alexej Knelz von der AHK Moskau in einem Artikel auf Spiegel Online. Die höheren Kosten dafür nehme man in Kauf, denn dafür fallen sie bei der Wartung geringer aus.

Ob die deutschen Unternehmen durch diese Aufträge an Prestige gewinnen, ist nicht so einfach zu beantworten. Schließlich werden Zuschauer und Fans bei den Spielen nicht darüber in Kenntnis gesetzt, wer den Rasen auf dem Fußballfeld erwärmt. Trotzdem erhoffen sich die Unternehmen langfristig positive Effekte. Wer mit Know-how und Geschick punkten kann, wird vielleicht zum nächsten sportlichen Großereignis wieder engagiert. So konnten von den aktuell beteiligten Unternehmen bereits einige Erfahrungen bei sportlichen Großereignissen sammeln.

Am 14. Juni 2018 startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, wo Deutschland seinen Titel aus dem Jahr 2014 verteidigen muss.

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