Anzeige

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Das unsichtbare Rückgrat moderner Gebäudetechnik

Speziell in Gewerberäumen wird es heutzutage immer wichtiger, unkompliziert einen Zugang zu Strom- und Datenquellen zu gewährleisten. Um diesen Zugang nicht nur über Installationen an der Wand zu ermöglichen, sondern auch über den Bodenbereich, werden Immobilien vermehrt mit Unterflursystemen ausgerüstet. Sie erleichtern die Kabelverlegung und schaffen zusätzliche Flexibilität 
für die Zukunft.

Die Kombination aus Bodendose und Schalungskörper ermöglicht ein nachträgliches Nivellieren auf Fertigfußbodenhöhe (Quelle: PUK Group)

Wer heute Unterflursysteme in einen Neubau integrieren möchte, steht vor einer Reihe von Fragen. Wie wird der Fußbodenbelag beschaffen sein? Geht es um eine Bürofläche mit vergleichsweise geringen Lasten oder wird eine Industriefläche gebaut? Ist der Bedarf an späterer Anpassung der technischen Ausstattung hoch oder ist die Nutzung auf Jahre festgelegt? Und zu guter Letzt: Welche ästhetischen Ansprüche werden an den Raum gestellt? Jede dieser Fragen bringt den Planer einen Schritt näher an die gewünschte Lösung.

Ob Doppel- oder Hohlraumböden mit hoher Flexibilität oder Schwerlastböden in Industriehallen, das Umfeld definiert die Anforderungen an das Unterflursystem. Während in ersterem die Kabel lediglich organisiert von Punkt A zu Punkt B geführt werden sollen, haben Unterflurkanäle im Estrich die Funktion, die Kabel vor äußeren Einflüssen zu schützen. Die richtigen Systeme sind dabei in der Lage, die Lebensdauer der Kabel zu gewährleisten. Estrichüberdeckte Unterflurkanäle finden dort Anwendung, wo die Kanäle nicht sichtbar sein sollen oder besonders hohe Lasten vorkommen.

Estrichbündige Kanäle eignen sich besonders für Anwendungsgebiete, in denen der dauerhafte Zugang zu den Leitungen gewährleistet sein muss. Dank des Deckels im Kanal, ist dieser unkompliziert, sodass es möglich ist, Leitungen zu tauschen, hinzuzufügen oder zu reparieren.

Präzision bereits bei der
Montage entscheidend

Elektroinstallationsprojekte dieser Art stellen Verarbeiter häufig schon in einer frühen Bauphase vor Herausforderungen. Speziell die Planung der Unterflursysteme wird zeitlich zwischen Rohbau und Innenausbau eingeordnet. Noch vor dem Einbringen des Estrichs müssen die Maße für die spätere Estrichdecke genau eingehalten werden, um den späteren Nutzen nicht zu beeinträchtigen.

Unabhängig davon, ob estrichüberdeckte oder estrichbündige Kanäle – Fehler in dieser frühen Phase führen zu einem beträchtlichen Mehraufwand und damit auch zu deutlich höheren Kosten. Dementsprechend wichtig ist die Einhaltung der Regelwerke für den Estrich am Bau (Reihe DIN 18560) und Toleranzen im Hochbau (DIN 18202 [1]) vor Ort sowie die Reihe der DIN EN 50085 (Elektroinstallationskanalsysteme für elektrische Installationen) für die Hersteller. Diese beschreibt die allgemeinen Anforderungen an Elektroinstallationskanäle. Im Zentrum der DIN EN 50085 steht die Klassifizierung der einzelnen Lösungen, um dem Planer oder Monteur die Auswahl zu erleichtern. Darüber hinaus beschreibt sie die Schutzart, Belastungsfähigkeit sowie die vorgesehenen Einsatzbereiche eines Systems.

Anhand dieser Vorgaben muss der Installateur im Zusammenspiel mit den Bauplänen die Höhe der bodenebenen Baugruppen auf die Estrichdicke anpassen. Dabei gibt es nahezu keinen Spielraum für Fehler. Schon Abweichungen im Millimeterbereich können nachträglich nur schwer korrigiert werden und sorgen entweder dafür, dass der Estrich in die Bodendose läuft und diese im schlimmsten Fall unbrauchbar wird, oder eine Stoßkante entsteht.

Die genaue Ausrichtung der Höhe mittels Laser und Wasserwaage ist sehr zeit- und damit auch kostenaufwendig. Lösungen, die den Aufwand und das Risiko für Fehler verringern, sind bereits auf dem Markt. Beispielsweise kommen vorgefertigte Schalungskörper zum Einsatz, die den benötigten Einbauschacht vom Estrich frei halten (Bild). So kann die Einbaueinheit nachträglich mit integrierten Nivellierschrauben an die tatsächliche Höhe des Fertigfußbodens angepasst werden. Das spart Zeit und ermöglicht den Ausgleich von Bautoleranzen.

Exkurs Estrich

Für die Montage der Bodenkanäle im Estrich gibt es sowohl aus elektrotechnischer als auch bautechnischer Sicht Vorgaben, die zu beachten sind. Einzelne Faktoren wie Estrichdicke und Estrichbeschaffenheit reguliert die Norm DIN 18560 „Regelwerke für den Estrich am Bau“. Hier werden unter anderem die unterschiedlichen Festigkeitsklassen des Estrichmörtels sowie die Härteklassen (IC) von Verbundestrichen definiert. So kann anhand der Nutzungsart sowie der Beanspruchung der richtige Estrich gefunden werden.

In Abhängigkeit von den vorhandenen Nutzlasten werden mithilfe der DIN 18560 die spezifischen Dicken der Estrichmörtel und Verbundestriche ausgewählt. Darüber hinaus werden Estricharten wie etwa Verbundestriche für höhere Lasten oder schwimmende Estriche sowie Heizestriche beschrieben.

Auch beim Einbringen des Estrichs kann die Passgenauigkeit der Einbaueinheit in den Einbauschacht beeinträchtigt werden. Und zwar dann, wenn der Estrichleger um die präzise angepassten Schalungskörper einen Randdämmstreifen anlegt. Gerade für die Kombination aus Bodendose und Schalungskörper, würde der entstehende Schacht entscheidende Millimeter zu groß ausfallen und damit die Stabilität beeinträchtigen. Generell gilt es hier, die Montageanleitung der Hersteller genau zu beachten, damit sich die Einbaueinheit technisch und optisch ideal in das Umfeld einfügt.

Sonderfall 
Schwerlastanwendungen

Sowohl für die Unterflurkanäle als auch die Einbaueinheiten gibt es von den Herstellern Lösungen mit unterschiedlichen Belastungsgrenzen. Die Norm DIN EN 1990/NA:2010-12 [2] definiert die Nutzlasten im Hochbau für Deutschland und zeigt dafür in verschiedenen Kategorien die dazugehörigen Werte auf. Generell sollte dafür gesorgt werden, dass die verbauten Unterflurkanäle den vorherrschenden Nutzlasten standhalten kann. Dazu sollten sowohl die Fahrzeuggewichte sowie die technischen Informationen der Hersteller zu Rate gezogen werden.

Bei den Einbaueinheiten ist ebenfalls darauf zu achten, dass diese speziell für Schwerlast-anwendungen ausgelegt sind. Für beide Komponenten sollte dafür die technische Dokumentation genau studiert werden. Ein vermeintlich kleiner Fehler kann im späteren Betrieb zur Beschädigung und sogar zum vollständigen Ausfall der Einheit führen. Dabei werden häufig nicht nur die Unterflursysteme, sondern auch die Kabel in Mitleidenschaft gezogen. Eine nachträgliche Reparatur führt neben einem potentiellen Verdienstausfall zu großen baulichen Maßnahmen.

Autor: P. Plath

Literatur:

[1] DIN 18202:2013-04 Toleranzen im Hochbau – Bauwerke.

[2] DIN EN 1990/NA:2010-12 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode: Grundlagen der Tragwerksplanung.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Neue Produkte Variantenreich

Für eine HDMI-Verbindung ist neben der Variante mit Buchse/Buchse-Anschluss nun auch die Buchse/Stecker-Kombination erhältlich.

Weiter lesen

Das modulare Kabeldurchführungssystem KDSI-SR bietet Kabelmanagement für Schaltschränke, Gehäuse und Maschinen sowie die sichere Abdichtung von Leitungen mit und ohne Stecker.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Zerstörte Zähleranlage reparieren

Wie kann eine durch Vandalismus zerstöre Zähleranlage fachgerecht repariert werden?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Geräte für den Hausgebrauch ertüchtigen

Darf an selbst beschafften, ursprünglich für den privaten Gebrauch bestimmten, Betriebsmitteln wie Handkreissägen, Bohr- und Poliermaschinen eine höherwertige Anschlussleitung montiert werden?

Weiter lesen

Die Hutschienengehäuse der Serie 170 eignen sich u. a. für Gebäudeautomation und -Ausrüstung, Lichtregelungen, Steuerungstechnik sowie Blitzschutz.

Weiter lesen
Anzeige