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Krach um Sonepar
Das sagen ZVEI, ZVEH und ep-Leser zum Fall Sonepar

Zur Schließung des Sonepar-Onlineshops www.elektrogroßhandel.de baten wir Fachverbände und ep-Leser um ihre Kommentare. Die Meinungen sind differenziert – vor allem mit Blick auf Service und Kosten der Großhändler.

Big Trouble um Big Sale (Symbolbild)

Stellungnahme des ZVEI

Der ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie fördert den gesellschaftlichen und technologischen Wandel durch Digitalisierung und Vernetzung. In der Wirtschaft verstärkt sich – teilweise disruptiv – die Vernetzung der unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen zwischen Herstellern, Importeuren, Distributoren, Systemintegratoren, Handwerk und Dienstleistern. Hier entstehen vielfach ökonomische Chancen für neuartige Dienstleistungen wie beispielsweise „Predictive Maintenance“ oder besondere „datenbasierte“ Services, die Grundlage für neue Geschäftsmodelle werden. Bisher ist dabei weniger ein Verdrängen der tradierten Strukturen zu beobachten als eher ein Nebeneinander und mit zusätzlichen Wachstumschancen sowohl für etablierte als auch für neue Player am Markt.

Die rund 1.600 ZVEI-Mitgliedsunternehmen nutzen alle verfügbaren Distributionswege entsprechend ihrer individuellen vertriebsstrategischen Entscheidungen. Der ZVEI ist immer technologie- und distributionsneutral und hat daher keine Präferenzen für bestimmte Vertriebswege.

F. Rainer Bechtold, Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI)


 

Stellungnahme des ZVEH

Die Frage nach der Zukunft des dreistufigen Vertriebs ist eng mit den Auswirkungen der Digitalisierung verknüpft. Seit der ZVEH-Jahrestagung 2015 in Mannheim hat die elektrohandwerkliche Organisation dieses Thema mehrfach in den Mittelpunkt diverser Verbandsveranstaltungen und Diskussionen gerückt. Der ZVEH hat zudem eine Projektgruppe gegründet, die sich ausführlich mit allen Fragen rund um den Themenkomplex „dreistufiger Vertrieb/Digitalisierung“ auseinandersetzt. Ein offizielles Statement zu dieser wichtigen verbandspolitischen Frage ist erst nach intensiver Beratung und in enger Abstimmung mit den ZVEH-Mitgliedern und -Delegierten möglich.

Jan Voosen, Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)


 

Kommentare unserer Leser (Auswahl)

Wenn ich die Aufregung richtig verstanden habe, ist der eigentliche Kritikpunkt, dass ein Gewerbekunde nicht zwangsläufig ein Elektrofachmann ist.

Na und? Ich habe häufiger Diskussionen beim Großhandel erlebt, wenn ein potentieller Kunde abgelehnt wurde, weil er sich zwar als Fachkraft hätte ausweisen können, aber entweder Privatperson war oder Mitarbeiter einer Firma ohne Fachbezug. Das ist doch kleinkariert.

Ich bin Elektrofachkraft, aber nicht mehr in einem entsprechenden Unternehmen tätig. Mir bleibt nur das Internet, also gut, dass es diese Möglichkeit gibt. Auf die Beratungsleistung des Elektrogroßhandels muss ich halt verzichten. Ich habe bisher alles kaufen können, was ich brauchte.

Wer meint, unbedingt an alten Zöpfen festhalten zu müssen, wird das Nachsehen haben. Die Innungen, das Elektrohandwerk und der Elektrogroßhandel waren selten Vorreiter, wenn es um neue Technologien und zukunftsweisende Gestaltung ging. Da wird mit aller Macht versucht, alte Besitzstände zu erhalten. Erinnert ein wenig an "Mediamarkt".

Ich will nichts bagatellisieren. Mir sind Beweggründe der Beteiligten schon bewusst. Die Entwicklung ist aber nicht zu verhindern. Darum heißt es, das Beste daraus zu machen und zu versuchen den Prozess mit zu gestalten. (Harald Hipel


 

Ich bin in der LED Branche tätig. Hier handelt es sich um erklärungsbedürftige Produkte, die im größeren Projekt mit viel Aufwand an den Kunden gebracht werden müssen. Der Großhandel selbst ist mit dieser Aufgabe oftmals überfordert, z.B.

- Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung anhand des effektiven Lumen/Watt Pakets des Produkts

- Herausstellung der Qualität eines Produkts im Vergleich zu gleich aussehenden Produkten, die im Internet zu kaufen sind und die der Kunde als Preismaßstab definiert

Der EGH bittet hier den Hersteller selbst um Hilfe, und Hilfe kann dieser nur vor Ort leisten. Die zu erzielenden Margen sind aber viel zu gering, um allen Beteiligten gerecht zu werden.

Der EGH hat nur eine Überlebenschance in diesem Bereich, wenn er sich schulen lässt, um eigene Kompetenz zu erlangen und darüber hinaus bereit ist, auch ein eigenes Mindestlager zu führen für Piloten.

Bei Serienprodukte, z.B. für den privaten Bereich, erlebe ich es ständig, dass Elektriker sich diese Produkte über das Internet beschaffen. (A.Z., Name ist der Redaktion bekannt)


 

Ich bin der Überzeugung, dass der 3-Stufige Vertriebsweg auch in Zukunft funktioniert und gebraucht wird. Unsere Kunden verlangen von uns höchste Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten. Was wiederum bedeutet, dass wir das Material auch dementsprechend schnell und in den richtigen Mengen benötigen. Das kann die Industrie und das Internet nicht leisten.

Allerdings habe ich in den letzten Jahren feststellen müssen, dass der Großhandel zum Teil sein Lager immer weiter verkleinert und somit diesen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Wenn man dann mal was benötigt, was nicht zu den Renner-Artikeln gehört, kommt es immer wieder vor, dass man Verpackungseinheiten abnehmen muss oder/und wochenlange Lieferzeiten hat. Der Großhandel sollte sich eher überlegen, wie er dieses Problem in den Griff bekommt, anstatt seine Energie in neue Vertriebswege zu verschwenden. Sonst treibt er seine Kunden selbst zu den besagten Vertriebsformen, die ihm Kopfzerbrechen bereiteten. (Andreas Leibfarth)


 

Den Onlinehandel finde ich gut, denn hier werden die kleinen Handwerksbetriebe den großen Betrieben gleichgestellt. Der gleiche Zwischenhandelspreis für alle, und ich sehe, welcher Großhandel kann mir die Ware zu welchen Konditionen und in welcher Zeit liefern.

Für die speziellen Wünsche von Endkunden braucht man den direkten Kontakt zum Verkäufer (Händler), da seine Produktpalette größer ist, als es je ein Hersteller sein kann. Außerdem sind nicht alle Produkte online bestell- oder kaufbar, auffindbar oder kombinierbar. Ärgerlich sind oft die Nebenkosten, die Mengengrössen, die Versandkosten, die im Onlinevertrieb niedriger sind als beim Thekenverkauf.

In der Summe ist der Onlinehandel dann interessant, wenn häufig genutzte Ware schnell geordert werden muss sowie zur Preistransparenz, und wenn die Wege zum Großhändler zeitbedingt aufwändig sind. (Bernhard Haider)


 

Solange der Grosshandel günstiger ist als der Verkauf an den Endkunden, sehe ich da kein Problem. Schlimmer ist es, wenn der Kunde günstiger online einkauft als der Installateur beim Grosshändler. (Sören Aurich)

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