Anzeige

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Bosch Smart Home als System oder Einzellösung: Sicherheit, Energieeinsparung und Komfort

Der Hausautomation war in den letzten zwei Jahrzehnten lediglich ein Nischendasein beschieden, auch wenn nahezu im Jahresrhythmus der große Durchbruch vorausgesagt wurde. Aber jetzt könnte es wirklich so weit sein.

(1) Controller – Brücke ins Netz und zentrale programmierbare Komponente (Quelle: Bosch Smart Home)

(1) Controller – Brücke ins Netz und zentrale programmierbare Komponente (Bild: Bosch Smart Home)

Das technische Umfeld bietet mit der allgegenwärtigen Verfügbarkeit des Internets und mobiler Endgeräte günstige Voraussetzungen. Die Fortschritte in der Elektronikindustrie ermöglichen attraktive Lösungen zu günstigen Preisen.

Das Unternehmen Bosch gehört zu den großen Marken der deutschen Elektroindustrie und ist weltweit als Anbieter innovativer Lösungen im Bereich der Autoelektrik und als Hersteller einer breiten Palette von Hausgeräten bekannt. Mit Home-Connect [1] hat das Unternehmen eine Plattform zur Vernetzung im Bereich Hausgeräten geschaffen und dabei konsequent auf den Einsatz von Smartphones als Anzeige- und Bediengeräte orientiert. Mit Bosch Smart Home [2] wird jetzt ein funkbasiertes bereichsübergreifendes Hausautomationssystem angeboten, das eindeutig als Nachrüstungslösung konzipiert ist und über den Elektrohandel und Baumärkte vertrieben werden soll. Bezüglich der Handhabung ist das Angebot so konzipiert, dass eine Inbetriebnahme auch durch Nichtfachleute weitgehend möglich ist.

Systemkonzept und Gerätetechnik

Das bei Bosch Smart Home realisierte Systemkonzept ist durch konsequente Nutzung von Smartphones als Anzeige- und Bediengeräte und der Anbindung an ein vorhandenes WLAN gekennzeichnet. Das gilt sowohl für die Inbetriebnahme einer Anlage als auch deren Betrieb. Die Bedienung erfolgt ausschließlich über Smartphones. Weitere für die Steuerung wichtige Größen werden durch Sensoren erfasst. Zentrale programmierbare Komponente und Brücke zwischen dem WLAN und den Komponenten des Hausautomationssystems ist der Controller (Bild 1). Diese Vorgehensweise entspricht dem aktuellen Standard. Das System zeichnet sich durch ein gelungenes Design der Komponenten aus und unterscheidet sich von anderen Angeboten vor allem durch die Vorgehensweise bei der Einbindung von Partnerprodukten aus (Bild 2).

Systembasierte und systemunabhängige Angebote

Die aktuell verfügbaren Komponenten lassen sich grundsätzlich in systembasierte (Smart System Solution) und systemunabhängige (Smart Single Solution) Angebote unterscheiden (Tabellen 1 und 2). Systembasierte Angebote können über den Controller miteinander vernetzt und zentral über die eigene Smart-Home-App gesteuert werden. Dazu gehört auch das Leuchtmittelsortiment Philips Hue (Tabelle 3). Systemunabhängige Produkte benötigen derzeit noch eine eigenständige App. Eine Systemanbindung soll zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden.

Controller und App

Der Controller ist die zentrale programmierbare Komponente einer Anlage und zugleich Brücke zwischen dem WLAN und der Hausautomation (Bild 1). Das Gerät wird über ein separates Netzteil versorgt und über ein Kabel mit dem WLAN-Router verbunden. Die an der Vorderseite des Gerätes befindlichen LEDs informieren über den Betriebszustand, das Vorhandensein der Verbindung zum WLAN und die bestehende Internetverbindung. Die ebenfalls auf der Vorderseite befindliche Funktionstaste wird lediglich bei der Inbetriebnahme benötigt. Auf der Rückseite des Gerätes befindet sich eine Reset-Taste zum Zurücksetzen der Einstellungen. Das Gerät wird über die App in Betrieb genommen. Dabei erfolgt gleichzeitig die Anmeldung in der Cloud des Herstellers. Über diesen Weg ist später auch ein Fernzugriff möglich und notwendige Updates werden automatisch eingespielt. Interessant und durchaus wegweisend erscheint auch der bei der Identifizierung von Komponenten mittels QR-Code gewählte Weg. Die Inbetriebnahme des Controllers über die App ist Voraussetzung für die Inbetriebnahme weiterer Komponenten. Neben der Zuordnung von Sensoren und Aktoren können mit der App Zeitschaltuhren und Szenarien vereinbart werden.

Heizkörper-Thermostat

Mit dem batteriebetriebenen Heizkörper-Thermostaten kann die Raumtemperatur gradgenau geregelt werden. Der Thermostat lässt sich mit den gebräuchlichen Heizkörpern entweder direkt oder per Adapter verbinden. Hierzu werden seitens des Herstellers detaillierte Informationen bereitgestellt. Das Gerät kann in den Betriebsarten „Manuell“ und „Automatik“ betrieben werden. Die manuelle Wahl der Temperatur erfolgt über Plus/Minus-Tasten am Gerät. Eine LED-Anzeige informiert neben der Solltemperatur auch über den Batterie- und den Funkstatus, über die gewählte Betriebsart, eine aktivierte Kindersicherung, eine Störungsanzeige und die Lüftungserkennung. In der Betriebsart „Automatik“ erfolgt die Temperatursteuerung anhand der mittels App eingestellten Werte. Damit lässt sich eine raum- und zeitbezogene Temperatursteuerung realisieren. Abweichungen von dieser Zeitsteuerung können jederzeit per App Vor-Ort oder auch aus der Ferne aktiviert werden.

Zwischenstecker

Mit dem Zwischenstecker können beliebige Verbraucher in eine Anlage eingebunden werden. Da die Schaltleistung bis zu 16 A (ohmsche Last) beträgt, lassen sich damit nicht nur Leuchtmittel, sondern ggf. auch Elektroheizkörper bis etwa 3 kW schalten. Induktive Lasten (z. B. Elektromotoren) und Geräte mit elektronischen Netzteilen führen zu sehr hohen Einschaltströmen und damit zu einem vorzeitigen Verschleiß der Relaiskontakte. Die Schaltvorgänge können über eine programmierbare Zeitschaltuhr gesteuert werden. Der Zwischenstecker kann darüber hinaus auch zur Erfassung des Energieverbrauchs des angeschlossenen Gerätes genutzt werden.

Tür-/Fensterkontakt

Der ebenfalls batteriebetriebene Tür-/Fensterkontakt dient einerseits dazu, bei offenem Fenster die Solltemperatur des jeweiligen Raumes zu senken. Andererseits lässt er sich dazu nutzen einen Alarm auszulösen, der das unbefugte Öffnen eines Fensters bei Abwesenheit des Bewohners meldet. Die Identifizierung der Komponente erfolgt auch hier per QR-Code. Mit dem Scannen des QR-Codes beginnt auch der Anlernvorgang des Gerätes. Die Statusanzeige wird über eine LED realisiert.

Rauchwarnmelder

Die Installation von Rauchwarnmelder1) in Wohngebäuden ist inzwischen in nahezu allen Bundesländer Pflicht. In diese Smart Home Anlage können per App bis zu 40 Rauchwarnmelder eingebunden werden. Die eingebaute akustische Sirene kann nicht nur zur Alarmierung bei Raucherkennung genutzt werden, sondern kann auch zur Alarmierung bei unbefugtem Zutritt verwendet werden (Aktivierung durch Tür-/Fensterkontakt oder Bewegungsmelder).

Bewegungsmelder

Der batteriebetriebene und auf der Passiv-Infrarot-Technologie (PIR) basierende Melder1)dient vor allem der Überwachung von Innenräumen gegen unbefugten Zutritt. Die Auslösung von Fehlalarmen durch Kleintiere wird durch einen integrierten Temperatursensor ausgeschlossen. Bei der Inbetriebnahme der Melder können diese wahlweise auf Haustiererkennung oder Unterkriechschutz eingestellt werden.

Leuchtmittel

Bezüglich der Einbindung von Leuchtmitteln bietet das System zwei Möglichkeiten. Zunächst einmal können Leuchten (Stehleuchten, Wandleuchten usw.) über einen Zwischenstecker eingebunden werden. Anspruchsvollere Lösungen lassen sich auf Basis der von Philips angebotenen Beleuchtungslösung Hue realisieren. Die Leuchtmittel werden über die Hue-Bridge angesteuert. Die Programmierung dieser Leuchtmittel erfolgt mittels der Smart-Home-App. Das Beleuchtungssystem Philips Hue ist damit direkt in das System integriert.

Heizkesselsteuerung

Eine Vielzahl von Buderus- und Junkers-Heizkesseln können in das System eingebunden werden. Die konkrete Realisierung der Ein-/Anbindung ist hersteller- und typabhängig.

Innen- und Außenkamera

Aktuell stehen eine Außen- und eine Innenkamera1) als systemunabhängige Angebote zur Verfügung. Beide Kameras können direkt über das WLAN angesteuert werden. Diese Angebote lassen sich daher auch unabhängig vom Smart Home einsetzen. Die Programmierung und der Zugriff auf die Kameras erfolgt über die herstellereigene Kamera-App. Beide Kameras benötigen eine 230-V-Spannungsversorgung. Die Aktivierung der Kameras erfolgt über integrierte Bewegungsmelder. Die Geräte verfügen über einen internen Speicher für die Aufnahme von rund 200 Ereignissen sowie Mikrofon und Lautsprecher für eine 2-Wege-Kommunikation. Eine automatische Infrarot-Nachtsichtfunktion ermöglicht auch Aufnahmen während der Dunkelheit.

Twinguard-Rauchwarnmelder

Neben dem im Smart Home System unmittelbar integrierten Rauchmelder, gibt es mit dem Twinguard-Rauchwarnmelder1) ein weiteres – und in diesem Fall – systemunabhängiges Angebot. Der Twinguard-Rauchwarnmelder verfügt neben dem Rauchsensor über einen Luftgütesensor, der auch die Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit und das Vorhandensein flüchtiger organischer Stoffe in der Luft erfasst. Twinguard-Rauchwarnmelder werden über ein gesondertes Gateway mit dem WLAN verbunden und mittels einer speziellen App in Betrieb genommen. Die in den Geräten integrierte umlaufende Lichtleiste kann neben der Alarmsirene für die optische Signalisierung genutzt werden. In eine auf Twinguard-Rauchwarnmeldern basierende Anlage können bis zu 40 Melder eingebunden werden.

Fazit: Mit Bosch Smart Home ist ein ausgesprochen ambitioniertes Hausautomationssystem verfügbar, das recht problemlos nachrüstbar ist. Das Angebot richtet sich vorzugsweise direkt an den Endkunden. Das wird am modularen Systemkonzept, aber noch viel mehr anhand der intuitiv bedienbaren Benutzeroberflächen der Apps und der konsequent einheitlich gestalteten Bedienungsanleitungen deutlich. Das Angebot ist aber auch für Installationsbetriebe von Interesse, die im Bereich der Nachrüstung aktiv sind und eine möglichst einfach handhabbare Lösung einsetzen wollen.

Literatur: [1] Informationen zur Vernetzung von Hausgeräten mit Bosch Home Connect: www.bosch-home.de.
[2] Informationen zum Hausautomationssystem Bosch Smart Home: www.bosch-smarthome.de.

Autor: H. Möbus

Bild 2, rechts: Starterpakete erleichtern den Einstieg (Bild: Bosch Smart Home)

{Tabelle 1} Systembasierte Angebote (Quelle: Horst Möbus)

{Tabelle 2} Systemunabhängige Angebote (Quelle: Horst Möbus)

{Tabelle 3} Anspruchsvolle Beleuchtungslösungen auf Basis Philips Hue (Quelle: Horst Möbus)

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Normen und Vorschriften Smart Home - DIN EN 50631-1 (VDE 0705-631-1) 2018-12

Diese Norm legt die Datenmodelle für verbundene Haushaltsgeräte fest. Hauptsächlich bezieht sich das Ganze auf die Interoperabilität von Haushaltsgeräten und beschreibt die notwendige Steuerung und Überwachung.

Weiter lesen

In der Hausautomation sind die Reaktionszeiten von Steuerungen eher von untergeordneter Bedeutung. Anders verhält es sich dagegen in der Prozessautomation.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Normen und Vorschriften Sicherheitstechnik - DIN VDE V 0826-1 2018-09 (VDE V 0826-1)

Diese Vornorm beinhaltet neben mechanischen Sicherungskonzepten für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Wohnungen im Bestands- und Neubau auch die Anforderungen an die Sicherheitstechnik im Smart Home.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis Jablotron 100 – Gefahrenmeldeanlage und mehr

Modular erweiterbar, vielseitig einsetzbar und übersichtlich zu bedienen.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis Steuern und Regeln per USB und Ethernet

Die Aufgabenstellungen in der Steuer- und Regelungstechnik sind so vielfältig, wie die am Markt befindlichen Lösungsangebote.

Weiter lesen
Anzeige