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Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Blitzschutzmaßnahmen – Schutzkonzept für eine Haupt-Feuerwache

In Krefeld wurde im Rahmen eines ÖPP-Verfahrens eine neue Haupt-Feuerwache mit integrierter Leitstelle fertiggestellt. Aufgrund der vom Betreiber geforderten hohen Verfügbarkeit ergaben sich für die Blitzschutzmaßnahmen besondere Anforderungen.

Vermaschter Funktionspotentialausgleichsleiter in der Decke 1. OG

Vermaschter Funktionspotentialausgleichsleiter in der Decke 1. OG (Foto: J. Wettingfeld/ep)

Der Beitrag gibt Erläuterungen zu den einzelnen Planungs- und Umsetzungsschritten. Weiterhin werden die Vorteile moderner Planungsmethoden für die Anordnung der Fangeinrichtungen unter besonderer Berücksichtigung des Blitzkugelverfahrens nach DIN EN 62305-3 aufgezeigt.

Das Finanzvolumen der in einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) entstandenen Haupt-Feuerwache belief sich für den Bau auf 37,5 Millionen Euro.

Herzstück ist die integrierte Leitzentrale, die den Einsatzbetrieb der zugeordneten Organisationen koordiniert, Informationen entgegennimmt und diese auswertet. Im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge wird die Leitstelle:

  • zur Brandbekämpfung,
  • zur Erhaltung bzw. Rettung bedeutender Sachwerte,
  • für den Katastrophenschutz,
  • im medizinischen und technischen Rettungsdienst zur Rettung von Menschenleben und
  • in Belangen öffentlicher Sicherheit und Ordnung benötigt.

Es müssen jederzeit Notrufe entgegengenommen werden können. Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass Rettungsdienst, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Polizei und andere Notfalldienste jederzeit erreichbar sind und eingesetzt werden können. Rund um die Uhr muss die Verfügbarkeit und die Verbindung untereinander mittels Telefon, Funk und Datenleitungen gegeben sein.

Um dies sicherzustellen, entstanden u. a. die Einsatzwachen von Feuerwehr und Rettungsdienst, Fachabteilungen, Fahrzeugwerkstatt, ein Brandhaus mit Außenflächen zur Brandsimulationsschulung und eine Atemschutzübungsstrecke. Um die komplexe Nutzung zu ermöglichen, wurden 120 Kilometer Elektrokabel verlegt. Zwei Notstromanlagen garantieren einen Betrieb von 72 Stunden.

Grundlagen der Planung

Die zuvor aufgeführten Punkte zeigen deutlich, dass an die Planung und Umsetzung der Blitzschutz- und Erdungsmaßnahmen sehr hohe Anforderungen gestellt werden müssen. Unerlässliche Voraussetzung ist eine frühzeitige Festlegung der zu berücksichtigenden technischen Aspekte. Der Kasten zeigt die einzelnen Verfahrensschritte von der Vorbereitung bis zur Endabnahme.

Im vorliegenden Fall wurde frühzeitig entschieden, die Maßnahmen des äußeren Blitzschutzes, einschließlich der Maßnahmen des inneren Blitzschutzes zu nicht aktiven metallenen Installationen als Vergabepaket zusammenzufassen und alle Überspannungs-Schutzmaßnahmen koordiniert an die zuständigen Elektro-Fachbetriebe zu vergeben.

Die Planung berücksichtigte folgende Normenbereiche:

  • DIN VDE 0100 Errichten von Niederspannungsanlagen
  • DIN VDE 0102 Kurzschlussströme in Drehstromnetzen
  • DIN EN 62305 Blitzschutz
  • DIN VDE 0800 Fernmeldetechnik
  • DIN 18014 Fundamenterder

Gemäß DIN EN 62305-3 muss die erforderliche Schutzklasse eines Blitzschutzsystems durch eine Risikoabschätzung nach DIN EN 62305-2 ermittelt werden. Bild 1 zeigt die baulichen Abmessungen.

Gemäß Risikoabschätzung wurden zwei Schutzbereiche definiert: Für zentrale Technikbereiche und die Leitstelle wurde die Blitzschutzklasse I (BSK) und für alle anderen Bereiche die BSK III ermittelt (Bild 2).

Blitzschutzmaßnahmen

Schutzkonzept

Ausgehend von den technischen Vorgaben bezüglich der Verfügbarkeit und den daraus resultierenden normativen Vorgaben wurde folgendes Schutzkonzept realisiert:

  • Erdungsanlage nach DIN 18014 bestehend aus einem 

                   o vermaschten Ringerder 10 x 10 m aus Flachband 30 x 3,5mm, V4A, Werkstoff-Nr. 1.4571, unterhalb der Fundamentplatte und einem

                   o Funktionspotentialausgleichsleiter in der Ebene + 0 m aus verzinktem Flachband 30 x 3,5 mm, Maschenweite 10 x 10 m.

Ringerder und Funktionspotentialausgleichsleiter wurden im Abstand der Ableitungen (Abstand 10 m) miteinander verbunden.

  • Zusätzliche vermaschte Funktionspotentialausgleichsleiter in den Geschossdecken und in der Dachgeschossdecke, Maschenweite 10 x 10 m (Bild 3). Gemäß DIN 18014 wurden die Leiter mit der Bewehrung im Abstand von 2 m verbunden. Im Bereich der Leitstelle und der Technikbereiche wurde eine Maschenweite von 5 x 5 m realisiert.
  • Ableitungssystem aus einbetonierten Ableitungen für den Bereich von Fertigbetonstützen und Verlegung von Ableitungen in bewehrte Ortbetonwände analog zur DIN 18014.
  • Schutz der Antennenträger durch getrennte Fangeinrichtungen und Ableitung möglicher Blitzströme über hochspannungsfeste isolierte Ableitungen direkt auf kurzem Weg in das konventionelle Ableitungssystem.
  • Anordnung von Blitzschutzleitungen auf der Dachfläche, die im Wesentlichen die Funktion von Verbindungsleitungen haben. Es wurde darauf geachtet, dass eine frühzeitige Stromaufteilung erfolgt.
  • Verbindung der Klimazentrale mit dem Funktionspotentialausgleichsleiter der Dachebene. Die Klimazentrale besteht aus einer Stahlkonstruktion und einer Verkleidung mit Fassadenblech.
  • Anordnung von teilisolierten Fangstangen unter Einhaltung der erforderlichen Trennungsabstände.
  • Anordnung von Fangspitzen an den Attikablechen, einschließlich der leitenden Verbindungen untereinander.
  • Leitstelle: Zusätzlicher vermaschter Funktions-Potentialausgleich gemäß DIN VDE 0800-174-2 unterhalb des aufgeständerten Bodens in der Leitstelle

Bei der Realisierung der zuvor beschriebenen Maßnahmen haben sich insbesondere die Vorgaben aus der DIN 18014 bewährt. Die terminliche Abstimmung und die Zusammenarbeit mit der Baufirma waren unproblematisch. Die nach DIN 18014 geforderte Fotodokumentation war schon aus abrechnungstechnischen Gründen unerlässlich.

Autor: J. Wettingfeld
Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.


Literatur:
[1] DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2):2013-02 Blitzschutz – Teil 2: Risiko-Management.
[2] DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3):2011-10 Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen.
[3] DIN EN 62305-3 Beiblatt 3 (VDE 0185-305-3 Beiblatt 3): 2012-10 Zusätzliche Informationen für die Prüfung und Wartung von Blitzschutzsystemen.
[4] DIN EN 62305-4 (VDE 0185-305-4):2011-10 Blitzschutz – Teil 4: Elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen.
[5] DIN 18014:2014-03 Fundamenterder – Planung, Ausführung und Dokumentation.

Haupt-Feuerwache Krefeld – Draufsicht
Haupt-Feuerwache Krefeld – Draufsicht (Foto: J. Wettingfeld/ep)
Blitzschutzklassen (rot: BSK I, gelb: BSK III)
Blitzschutzklassen (rot: BSK I, gelb: BSK III) ; Foto: J. Wettingfeld/ep

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