Anzeige

Brandschutz in komplexen Gebäuden
Auf höchste Sicherheit bauen

In der jüngeren Vergangenheit haben tragische Brandfälle gezeigt, dass in hohen und hochkomplexen Gebäuden ein sicherer Brandschutz wichtig ist. Aber wie sind die Richtlinien für solche Sonderbauten, und wie müssen diese Gebäude brandschutztechnisch ausgestattet sein?

Brandschutz in komplexen Gebäuden

Brandschutz in komplexen Gebäuden (Foto: pixabay.com)

Die Prognosen sprechen eine klare Sprache: Städte sind der Lebensraum der Zukunft. Im Jahr 2008 lebten weltweit erstmalig mehr als 50 Prozent der Menschen in Städten. Attraktive Arbeitsplätze, effiziente Mobilitätsstrukturen, vielfältige Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote machen das Leben in Großstädten beliebter als auf dem Land.

Die Baubranche hat auf die steigende Nachfrage nach zentralen Wohnräumen reagiert. Seit Ende des 19. Jahrhunderts lassen die Stahlskelettbauweise und der elektrische Aufzug die Gebäude in den Himmel wachsen. Auch zukünftig werden Hochhäuser das probateste Mittel sein, dem Platzmangel in den Städten zu begegnen.

In einigen Ländern der Welt scheint es unter den Bauherren und Architekten einen unausgesprochenen Wettkampf zu geben. Alles dreht sich um die Frage: Wer knackt den nächsten Höhenrekord? Das Zeitalter der Wolkenkratzer und Super-Tower ist in vollem Gange. Aber auch Hybridnutzungen wie beispielsweise Wohnaufstockungen auf Flachdächern lassen die Bauten nicht nur höher, sondern auch hochkomplex werden.

„Für solche Sonderbauten gibt es spezielle Brandschutzverordnungen“, sagt Thomas Rößler, Geschäftsführer der D+H Deutschland GmbH. In Deutschland würden diese u. a. Materialprüfungen und Details zur Verarbeitung brandschutztechnischer Produkte regeln. So z. B. die vor wenigen Jahren erlassene bauordnungsrechtliche Verpflichtung von Rauchwarnmeldern, nach der nun auch private Wohnräume mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein müssen.

„In Deutschland gibt es viele ältere Bauten, die eine Nachbesserung benötigen“, sagt Thomas Rößler, der zudem noch ausgebildeter Brandschutzfachplaner ist. So hat Frankfurt vor kurzem einen Brandschutztest von 540 Hochhäusern angeordnet. Auch Bielefeld und Recklinghausen lassen ihre Bauten prüfen. In Wuppertal wurde ein Hochhaus, dessen Fassaden mit leicht entflammbaren Material gedämmt ist, komplett geräumt.

Automatische Feuerlöschanlagen – ein Muss in Deutschland

Die hiesigen Brandschutzverordnungen variieren von Bundesland zu Bundesland. Die entscheidenden Details der Sicherheitsanforderungen sind aber in den Verordnungen sehr ähnlich formuliert. So heißt es etwa in Bayern für Hochhäuser ab 60 Metern Höhe: „Hochhäuser müssen automatische Feuerlöschanlagen haben, die die Brandausbreitung in den Geschossen und den Brandüberschlag von Geschoss zu Geschoss ausreichend lange verhindern.“ Dafür werden entweder Sprinkleranlagen oder Steigleitungen verwendet.

So gefährlich einem das Feuer auch erscheint, bei einem Gebäudebrand besteht eine noch viel größere Bedrohung. Neun von zehn Brandopfern verbrennen nicht, sie sterben an Vergiftungen infolge des Brandrauchs. „Beim Gebäudebrand müssen die Fluchtwege schnell rauchfrei gemacht werden“, sagt Thomas Rößler. „Nur so können die Menschen sicher fliehen und die Einsatzkräfte der Feuerwehr zielgerichtet zum Brandherd vordringen.“ Drei Atemzüge der toxischen Brandgase würden genügen, den Menschen ohnmächtig werden zu lassen.

Der giftige Rauch muss schnell entweichen

In Deutschland müssen Hochhäuser einen eigenen Sicherheitstreppenraum besitzen, der rauchdicht vom Gebäude getrennt ist. Außerdem müssen sie über feuerhemmende Wände und rauchdichte Türen verfügen, die bei Rauchentwicklung automatisch schließen.

Aber wie ist es möglich, in den restlichen Teilen des Gebäudes im Brandfall schnell und effektiv die heißen Rauchgase aus dem Gebäude abzuleiten? Insbesondere wenn es sich um große Gebäudekomplexe handelt? „Dafür gibt es intelligente Rauchabzugssysteme, die binnen Sekunden durch vollautomatisches Öffnen von Fenstern für Frischluftzufuhr und Abfuhr des Rauches sorgen“, sagt Torsten Helbig, Objektberater bei der D+H Mechatronic AG. Je nach Anforderungen – und die können sich von Krankenhäusern, Universitäten über Museen bis hin zu Wohntürmen stark unterscheiden – ist es mit digitalen Steuerungen für den Rauch- und Wärmeabzug (RWA) möglich, einzelne Gebäudeabschnitte individuell zu konfigurieren.

Beim Rauchabzug wird zwischen Brand- und Entrauchungsabschnitten unterschieden. Wenn ein Gebäude zum Beispiel ein großes Atrium mit einem anschließenden langen Flur besitzt, kann dort möglicherweise ein Abschnitt mit Sprinkleranlagen für die Brandbekämpfung genügen, aber mehrere für die Entrauchung nötig sein. Die Parametrierung der Entrauchungsanlage erfolgt über die Service & Configuration Suite (SCS) am PC oder Notebook. Die verbauten Steuerungen werden dafür unkompliziert via USB mit der Computereinheit verbunden.

Sicherer Rauchabzug erfordert eine detaillierte Planung

Die Verteilung von RWA-Steuerungen und -Fensterantrieben in hochkomplexen Gebäuden bedingt eine präzise Planung. Laut Torsten Helbig empfiehlt sich hierfür ein dezentrales Entrauchungskonzept. Bei diesem werden mehrere kleine RWA-Zentralen im Gebäude verteilt und durch AdComNet, ein vom VdS zertifiziertes RWA-Bussystem, miteinander verbunden. Der Vorteil: Es müssen keine massiven, langen Antriebskabel quer durch das Gebäude gelegt werden – die Kabellängen und -querschnitte werden deutlich reduziert. „Selbst größte Entrauchungsszenarien können auf diese Weise wirtschaftlich realisiert werden, ohne dabei an Sicherheit und Funktionalität zu sparen“, sagt Torsten Helbig.

Ob alle Verbindungen störungsfrei funktionieren, kann durch eine Schnittstelle zur Gebäudeleittechnik überwacht werden. „Wir haben mit der neuen digitalen Rauchabzugszentrale CPS-M ein System entwickelt, das ein Zusammenspiel mit Einbruch- und Brandmeldeanlagen, Heizung, Licht sowie Lüftung ermöglicht“, sagt Stefan Decknatel, Leiter Vertrieb und Innovationsmanagement bei der D+H Mechatronic AG.

Die CPS-M ist mit dem intelligenten und standardisierten Bussystem ACB (Advanced Communication Bus) ausgestattet, das eine zeitgemäße Kommunikation zwischen Steuerungen und Antrieben ermöglicht. Zeitgemäß heißt in diesem Fall, dass die Antriebe nicht mehr nur Anweisungen von den Steuerungen zum Auf- und Zufahren erhalten, sondern auch selber Informationen über ihre Zustände, Anschlüsse und Positionen zurückgeben können. Diese sogenannte bidirektionale Kommunikation ermöglicht dem Nutzer nicht nur mehr Funktionalitäten, sie erleichtert ihm auch die Wartungsarbeiten, da das Auslesen der Antriebe über die SCS Software wesentlich einfacher gelingt. Zudem lassen sich innerhalb des Programms für die Antriebe individuelle Einstellungen vornehmen. Dazu zählen z. B. verschiedene Fahrbefehle.

„Die CPS-M ist vollmodular aufgebaut“, sagt Stefan Decknatel. Die Zentrale werde auf einem nahezu kabelfreien Stecksystem auf einer TS 35 Schiene montiert. „Ein Klick genügt, und das System ist um ein Modul und weitere Funktionen reicher.“ Die Module bestehen aus Funktions- und Sockelbaugruppen. Dadurch können sie ausgetauscht oder ergänzt werden, ohne die ganze Zentrale demontieren zu müssen. Auf die Verdrahtung der Module untereinander wird verzichtet, wodurch auch der gesamte Verdrahtungsaufwand der Zentrale an sich verringert wird.

„Durch die modulare Bauweise ist die Dimensionierung der Zentrale sowie die nachträgliche Erweiterung je nach Anforderung des Bauvorhabens und auf Kundenwunsch möglich“, sagt Stefan Decknatel. Plug-and-Play-Prinzip laute hier das Stichwort. So braucht die CPS-M für mehr Leistung deutlich weniger Platz als herkömmliche Zentralen.

Das Internet der Dinge

Auf die Herausforderungen der Urbanisierung liefert die zunehmende Digitalisierung wichtige Antworten. Smarte Technologien und das Internet der Dinge, also die Konnektivität einzelner Komponenten im Gebäude, sorgen dafür, dass die zukünftigen komplexen Anforderungen an Sicherheit, Energieverbrauch und Nutzungsverhalten in Gebäuden bewältigt werden können. Und somit nicht nur die Gebäude an Höhe zulegen, sondern auch deren Sicherheitsstandards.

Autor: Katja Schmees

Den vollständigen und viele weitere Artikel über vorbeugenden Brandschutz finden Sie im gleichnamigen Sonderheft Vorbeugender Brandschutz, das sie ganz bequem in unserem Online-Shop bestellen können.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Die Normen gelten für Brandwarnanlagen (BWA) für Kindertagesstätten, Heime, Beherbergungsstätten und ähnliche Nutzungen – Projektierung, Aufbau und Betrieb sowie für Energieversorgungen (EV) von Einbruch- und Überfallmeldeanlagen (EMA/ÜMA), die in...

Weiter lesen

Absolute Sicherheit gibt nicht es. Für viele Gefahren des Lebens gibt es nicht nur Versicherungen, die im Schadensfall Hilfe gewähren, sondern technische Apparate zur Gefahrenminderung.

Weiter lesen

Wie sind im Unternehmen die Verantwortlichkeiten verteilt? Welche Mittel und Möglichkeiten hat eine VEFK um elektrotechnisch notwendige Änderungen und Anpassungen auch gegenüber Führungskräften durchzusetzen?

Weiter lesen

Unaufmerksamkeit in Kombination mit defektem Werkzeug kann zu Elektrounfällen führen.

Weiter lesen

Neue Produkte Präzise Analyse

Punktpyrometer der Baureihe Thermalert 4.0 von Fluke Process Instruments erlauben die Überwachung von kritischen Prozessen in der Glasverarbeitung, wie z. B. das Rückkühlen von Glasflaschen und -behältern.

Weiter lesen
Anzeige