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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Ändern eines Baustromverteilers

Kann ein Baustromverteiler auch in Hinsicht auf eine Konformitätserklärung durch Fehlerstrom-Schutzschalter erweitert werden?

Baustromverteiler (Foto: Björn Wylezich/stock.adobe.com)

Baustromverteiler (Foto: Björn Wylezich/stock.adobe.com)

Frage: Wir haben zwei Baustromverteiler, die überwiegend für Festlichkeiten in Ortsteilen der Gemeinde eingesetzt werden. Der eine Baustromverteiler ist circa drei Monate alt und mit 1 × CEE-Steckdose 63 A, 2 × CEE 16 A sowie 3 × Schukosteckdosen ausgerüstet. Ab und zu wird über die CEE-Steckdose 63 A der zweite Baustromverteiler versorgt. Da der erste Baustromverteiler nur über einen Fehlerstrom-Schutzschalter (63 A/30 mA) verfügt und somit die Selektivität fehlt, möchte ich den ersten Baustromverteiler durch weitere Fehlerstrom-Schutzschalter erweitern. Ist eine Erweiterung auch hinsichtlich einer Konformitätserklärung zulässig?

Antwort: Vom Grundsatz her spricht nichts gegen die Erweiterung des Baustromverteilers, sofern genügend Platz vorhanden ist.
Diese Lösung ist aus meiner Sicht auch sehr sinnvoll, da sonst ein defektes Gerät gleich zwei Baustromverteiler ausschalten könnte.
Selbstverständlich muss nach Abschluss des Umbaus auch eine Prüfung durchgeführt werden, um die elektrische Sicherheit nachzuweisen. Auf die Einzelheiten der messtechnischen Prüfung (Schutzleiterwiderstand, Isolationsmessung, RCD-Test und Drehfeldprüfung) und deren notwendiger Dokumentation muss ich an dieser Stelle sicherlich nicht eingehen.

Formal muss dann auch die technische Dokumentation stimmen. Der Anfragende erwähnt explizit eine Konformitätserklärung. Durch die Änderung wird der Anfragende zum Hersteller des Baustromverteilers. Das liegt darin begründet, da der ursprüngliche Hersteller von den Änderungen des Anfragenden keine Kenntnis hat und diese natürlich auch nicht verantworten kann. So muss dann kenntlich gemacht sein, dass der Anfragende die Änderungen vorgenommen hat und somit Hersteller ist. Also ist das Typenschild zu ändern – der Anfragende wird zum Hersteller.

Es ist zu betrachten, ob durch den Einbau der RCDs und der dazu nötigen Leitungsverbindungen zusätzliche Verlustleistungen abgeführt werden müssen und ob dies ein Problem werden kann. Bei einem üblichen Stahlblech-Baustromverteiler sollte dies jedoch vernachlässigbar sein.

Die technische Dokumentation muss angepasst werden. In der Tür des Baustromverteilers befindet sich ein Schaltbild vom inneren Aufbau. Dies muss korrigiert werden.

Abschließend ist die CE-Konformitätserklärung nach der neuen Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU [1] auszustellen. Da sich der Verteiler in der Konfiguration immer noch regelwerkskonform auf Baustellen einsetzen lässt, brauchen keine anderen Normen angewendet werden, als der ursprüngliche Hersteller schon bestätigt hat – die normativen Verweise der alten CE-Erklärung können also übernommen werden. Unterschriftsberechtigt ist i. d. R. nicht der ausführende Elektromeister, sondern der Unternehmer selbst, jemand, der auch Unternehmerverantwortung trägt.

Danach steht einem Einsatz nichts mehr im Wege.

Literatur: [1] Richtlinie 2014/35/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung elektrischer Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen auf dem Markt.

Autor: M. Lochthofen

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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