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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Abdecken von unter Spannung stehenden Teilen

Die sicherste Arbeitsmethode für das Arbeiten an elektrischen Anlagen ist das „Arbeiten im spannungsfreien Zustand“.

Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen (Bild: etz Stuttgart)

Frage:

Ist das Abdecken von unter Spannung stehenden Teilen eine Tätigkeit, die eine AuS-Schulung voraussetzt?

Antwort:

Auch wenn ein Anlagenteil spannungsfrei ist, so können dennoch benachbarte Anlagenteile unter Spannung stehen. Deshalb wird in der fünften Sicherheitsregel der Elektrotechnik gefordert, dass benachbarte, unter Spannung stehende Teile abzudecken oder abzuschranken sind.

Arbeitsmethoden für Arbeiten an elektrischen Anlagen sind in DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[1] beschrieben. Diese Norm beschreibt allgemeine Anforderungen für den Betrieb von elektrischen Anlagen aller Spannungsebenen – von der Kleinspannung bis hin zur Hochspannung.

Bei der Arbeitsmethode „Arbeiten im spannungsfreien Zustand“ werden die „fünf Sicherheitsregeln“ aus DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[1] angewandt:

  • Freischalten
  • gegen Wiedereinschalten sichern
  • Spannungsfreiheit feststellen
  • Erden und Kurzschließen
  • benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.

Wenn in einem spannungsfreien Teil einer elektrischen Anlage gearbeitet werden soll und wenn weitere benachbarte Anlagenteile unter Spannung stehen, dann ist eine gesonderte Gefährdungsbeurteilung erforderlich.

Als Arbeiten unter Spannung (AuS) werden im VDE-Vorschriftenwerk solche Arbeiten bezeichnet, bei der eine Person bewusst mit Körperteilen oder Werkzeugen, Ausrüstungen oder Vorrichtungen unter Spannung stehende Teile berührt oder in die Gefahrenzone gelangt (siehe DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[1], Abschnitt 3.4.4).

Beim Arbeiten unter Spannung müssen Schutzmaßnahmen gegen den elektrischen Schlag und gegen Kurzschluss angewandt werden. Die für das Abdecken von unter Spannung stehenden Teilen benutzten isolierenden Abdeckungen, sind Ausrüstungen oder Vorrichtungen im Sinn der vorgenannten Definition von Arbeiten unter Spannung (AuS).

Bei Arbeiten an Niederspannungsanlagen handelt es sich nur dann um Arbeiten unter Spannung, wenn der Arbeitende bewusst mit Körperteilen oder Werkzeugen, Ausrüstungen oder Vorrichtungen unter Spannung stehende Teile berührt (siehe DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[1], Abschnitt 3.4.4):

Wird eine isolierende Abdeckung direkt an einem unter Spannung stehenden Teil befestigt oder ein solches unter Spannung stehendes Teil berührt, so handelt es sich um Arbeiten unter Spannung.

Wenn beim Anbringen einer isolierenden Abdeckung die Oberfläche eines unter Spannung stehenden Teils nicht berührt wird, so handelt es sich nicht um Arbeiten unter Spannung.

In DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[1], Abschnitt 6.3.1.1 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für bestimmte Tätigkeiten in der Regel keine besonderen technischen oder organisatorischen Maßnahmen (Spezialausbildung, besondere Voraussetzungen für die Ausbildung) erforderlich sind. In dieser Liste mit Ausnahmen werden unter anderem folgende Tätigkeiten genannt.

  • Heranführen von Spannungsprüfern, Phasenvergleichern und Erdungs- und Kurzschließvorrichtungen;
  • Anbringen von Isolierplatten und Abschrankungen;
  • Heranführen von Prüf-, Mess- und Justiereinrichtungen sowie Prüfarbeiten zur Fehlereingrenzung in Hilfsstromkreisen bei Nennspannungen bis 1 000 V.

Auch wenn in der Regel für die oben genannten Tätigkeiten keine besonderen technischen oder organisatorischen Maßnahmen gefordert sind, so kann es in der Praxis jedoch Fälle geben, in denen besondere technische oder organisatorischen Maßnahmen, Arbeitsanweisungen und auch eine Spezialausbildung erforderlich sind, um ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen. Deshalb müssen in einer entsprechenden Gefährdungsbeurteilung die möglichen Risiken für elektrischen Schlag und Bildung von Kurzschlüssen und Lichtbögen für die durchzuführenden Arbeiten bewertet werden.

Bei Arbeiten unter Spannung muss es sich sowohl beim Anlagenverantwortlichen als auch beim jeweiligen Arbeitsverantwortlichen um einen als Elektrofachkraft (EFK) bestellten Mitarbeiter handeln. Diese Elektrofachkräfte müssen die Grundsätze für das Arbeiten unter Spannung kennen und sicher anwenden können.

Der jeweilige Arbeitsverantwortliche muss über eine Berechtigung für die durchzuführenden Arbeiten (Spezialausbildung) verfügen. Ebenso muss der Arbeitsverantwortliche sicherstellen, dass die Befähigung der von ihm eingesetzten Personen für die Arbeiten ausreicht (DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[1], Abschnitte 6.3.8.2 und 6.3.8.3). Die vom Anlagenverantwortlichen für die Arbeiten eingesetzten Personen müssen ebenfalls über eine Berechtigung für die durchzuführenden Arbeiten (Spezialausbildung) verfügen.

Autor: H. Heckler

Literatur:

[1] DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen.

[2] Heckler, H.: Abdecken unter Spannung stehender Teile – Umsetzung der fünften Sicherheitsregel bei Niederspannungsanlagen. Elektropraktiker, Berlin 72 (2018) 1, S. 40–43.

Der Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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