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Europäisches Projekt
25 Jahre Eurotunnel – 1.000-Mega-Watt-Stromleitung durch den Tunnel ab 2020

Am 6. Mai 1994 wurde der Eurotunnel, der seit 2017 Getlink heißt, offiziell von Königin Elisabeth II. und dem französischen Präsidenten François Mitterrand eröffnet.

Pkw in einem Zug im Eurotunnel/Getlink (Foto: miraswonderland/stock.adobe.com)

Pkw in einem Zug im Eurotunnel/Getlink (Foto: miraswonderland/stock.adobe.com)

Längster Unterwassertunnel der Erde

Der erste Güterzug durchquerte den Tunnel am 1. Juni 1994. Am 14. November 1994 wurde der Zugverkehr mit Passagieren aufgenommen. Zum ersten Mal seit der letzten Eiszeit vor mehr als 13.000 Jahren war es wieder möglich, trockenen Fußes vom europäischen Festland nach Großbritannien zu laufen.

Der 50 Kilometer lange Eisenbahntunnel verbindet Folkestone in Kent (Vereinigtes Königreich) mit Coquelles nahe Calais (Frankreich). Unter der Straße von Dover liegen 37 Kilometer der Gesamtstrecke. Damit ist er der längste Unterwassertunnel der Erde. Die durchschnittliche Tiefe unter dem Meeresgrund beträgt 40 Meter. An der tiefsten Stelle erreicht er 75 Meter. Die durchschnittliche Reisezeit der fast 20 Millionen Passagiere jährlich liegt bei 35 Minuten, von denen sie sich 20 Minuten im Tunnel befinden.

Im Gegensatz zu den Fähren, die doppelt so lange für die Überfahrten brauchen, spart der Tunnel jährlich Millionen Tonnen CO2. Pro Tag werden ca. 5.000 Lastkraftwagen abgefertigt, die auf den 800 Meter langen Shuttlezügen durch den Tunnel rauschen. Für den reibungslosen Betrieb zeichnen auf beiden Seiten insgesamt 2.500 Mitarbeiter verantwortlich.

1.000-Megawatt-Stromleitung durch den Tunnel

Aus Deutschland waren am Bau u. a. die Unternehmen Hoesch Export aus Dortmund (Auftragswert 1990: 10,89 Millionen GBP), Buderus Bau- und Abwassertechnik aus Wetzlar (Auftragswert 1990: 10,85 Millionen GBP) sowie die Thyssen Stahlunion aus Düsseldorf (Auftragswert 1990: 0,31 Millionen GBP) beteiligt. 15 Milliarden Euro kostete der Bau und war damit fast doppelt so teuer wie ursprünglich geplant.

Aktuell laufen die Arbeiten an einer 1.000-Megawatt-Stromleitung durch den Tunnel, die einen Energieaustausch je nach Bedarf zwischen Großbritannien und dem Kontinent ermöglicht. Die Inbetriebnahme plant der Betreiber – und seit 2017 Namensgeber – Getlink für das Jahr 2020 unter der Marke ElecLink. Damit will man in den Energiesektor einsteigen und ein neues Geschäftsfeld bilden. 300 Jobs sind durch die Bauphase entstanden. Weitere 40 dauerhafte Jobs sollen durch die Inbetriebnahme entstehen. Die Kapazität der Leitung entspricht dem eines Kernkraftwerks. Der Umweltschutz spielt in Fridays-for-Future-Zeiten auch bei diesem Projekt eine Rolle. Um CO2-Emissionen zu reduzieren, soll die Energie vor allem aus alternativen und erneuerbaren Energiequellen generiert werden. Das dicke Kabel im Servicetunnel wirkt wie ein undurchtrennbares Band zwischen Europa und dem vom Brexit-Chaos gebeutelten Großbritannien. In Sachen Energie rücken die Insel und der Kontinent zusammen, wo man sich politisch mehr und mehr auseinanderlebt.

Brexit im Eurotunnel

Verzögerungen im Verkehr können und wollen sich die Betreiber des Eurotunnels nicht leisten, denn sie kosten Geld. Noch mehr fürchtet Getlink aber eine andere Verzögerung: den Brexit. Fast ein Drittel des Handels des Vereinigten Königreichs mit dem Festland wird durch den Eurotunnel gelenkt. Rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche bringen Shuttlezüge die Lastkraftwagen mit den Produkten von Coquelles nahe Calais nach Folkstone und Return.

Durch den Brexit könnten sich die Zollbestimmungen ändern, was den gesamten Ablauf des Güterverkehrs beeinflussen würde. Zollkontrollen wären vor allem für zeitkritische Produkte ein großer Nachteil, denn bilden sich Staus, fahren weniger Züge, wodurch weniger Waren transportiert werden. Das Wachstum würde stagnieren bzw. sich im schlimmsten Fall ins Gegenteil entwickeln. Um konkurrenzfähig zu den billigen Fähren zu bleiben, müssen möglichst viele Lkw den Pitstop in kürzester Zeit durchlaufen. Dabei werden in der Abfertigungshalle in einem Pulk 20 Lkw mit Hunden auf blinde Passagiere und Drogen durchsucht sowie die Nummernschilder gescannt und die Ladepapiere geprüft. Acht Minuten darf der Pitstop maximal dauern, und im besten Fall stimmt alles.

An so einer wichtigen Schnittstelle zwischen Insel und Kontinent tut die erwartete Trennung Großbritanniens von Europa sie besonders weh. Wann der Brexit kommt, weiß niemand – nicht mal Boris Johnson. Ende Oktober verschob man den Termin um weitere drei Monate auf den 31. Januar 2020. Zumindest die Mitarbeiter müssen jenseits ihrer Heimat nicht um eine Aufenthaltsgenehmigung bangen, denn für die Eurotunnel-Mitarbeiter gibt es bereits eine Ausnahmegenehmigung. Die Kontrollen für frische Fische hat der Eurotunnel erfolgreich in Frankreichs größtes Verarbeitungszentrum in Boulogne auslagern können. Man bereitet sich auf den Brexit vor, so gut es geht. Jedoch kann niemand vorhersagen, wie es tatsächlich sein wird, wenn der Tag X kommt.

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