ep: Eine Redaktion macht aber mehr.

Dr. Schumacher: Selbstverständlich, sie recherchiert selbst, verfasst eigene Beiträge und ist ständig auf der Suche nach relevanten Informationen. Das können neue Technologien und neue Produkte sein, ferner etwa – wie beim ep Elektropraktiker – einschlägige neue Gesetze und aktuelle Gerichtsurteile, sowie neue/ geänderte Normen oder allgemein für ihre Leserschaft relevante Inhalte. Manchmal hat sie auch Glück, etwas komplett Neues zu publizieren, was also andernorts noch nicht steht. Oder sie greift Trends auf, die noch im Verborgenen schlummern. Redaktionen sollten ihre Leserschaft nicht langweilen, sondern über interessante News und Fachinhalte berichten und damit an ihre Medien binden.

Auch diverse Stilformen bereichern, wobei Nachricht strikt von Meinung getrennt sein muss: Kurzmeldung, Beitrag gehören zu ersterem. Interview, Feature, Porträt oder Reportage zählen zu den „interpretierenden“ Formen. Zu den meinungsäußernden Formen gehören etwa Editorial, Leitartikel, Kommentar, Kolumnen, Glosse oder Essay. In Fachmagazinen sind letztere nicht oft vertreten.

ep: Wo findet eine Redaktion von Fachmedien derartig Neues?

Dr. Schumacher: Bei Gesprächen mit Unternehmensmitarbeitern, bei Messen, Fachveranstaltungen, Pressekonferenzen, bei eigener Recherche und auch „zwischen den Zeilen“. Nicht immer sind es die „großen“ auffallenden Neuerungen, auch scheinbar „kleinere“ Unternehmen und/oder Produkte können neue Maßstäbe setzen.

Und um ein Missverständnis aufzuräumen – in der Fachpressearbeit geht es eher selten um „investigativen“ Journalismus.

ep: Aber nicht alles ist neu, manches ist trivial.

Dr. Schumacher: Diese Unterscheidung kann auch Meinungs- und Geschmacksache sein, außerdem hängt dies von der Berufserfahrung, dem Bildungshintergrund und anderen Faktoren ab.

Eine Redaktion hat zumeist keine eindimensional, stark berechenbare Leserschaft  vor sich. Redaktionen bilden ein Spektrum ab und versuchen diesem so weit als möglich gerecht zu werden. Nicht immer gelingt das in einem Heft, wohl aber in zwei oder drei folgenden. Wenn das dauerhaft nicht gelingt, wenden sich Leser irgendwann ab.

ep: Jetzt präzise, wie kommt ein Unternehmen „ins Heft“?

Dr. Schumacher: Nehmen wir zuerst Pressemitteilungen. Sofern eine Pressemitteilung sprachlich gut aufbereitet ist und die sechs oder sieben „Ws“ – also wer, was, wann, wo, wie, warum (und woher/ Quelle) – berücksichtigt, also einen „Informationsgehalt“ aufweist, ist sie schon mal im Vorteil.

Bei der Flut an Pressemitteilungen hat eine Redaktion zumeist keine Zeit für Rückfragen. Außerdem soll eine Presseinformation fachlich, aber nicht werblich formuliert sein oder gar einen Superlativ an den anderen reihen. Und der Nachrichtenwert sollte kurz und prägnant herausgearbeitet sein, das Wichtigste kommt zuerst, „geschnitten“ wird von hinten. Eine Unternehmensmeldung wird anders verfasst als Produktmeldungen. So reichern etwa Zitate eine Unternehmensmeldung an, bei Produkten sind sie entbehrlich.

 

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