Messen und Prüfen
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Elektrotechnik
Nachgefragt bei Klaus Bödeker: "Immer die Interessen des Praktikers vor Augen haben"
ep10/2010, 1 Seite
Heinz Senkbeil: Lieber Klaus, seit wann schreibst Du eigentlich für unsere Fachzeitschriften? Und wie lange bist Du nun schon im Beirat des Elektropraktikers? Klaus Bödeker: Mein erster Beitrag, es ging um die Blindstromkompensation, erschien 1954 und so etwa seit 30 Jahren bemühe ich mich nach Kräften, den Elektropraktiker auch als Mitglied seines Beirats zu unterstützen. Heinz Senkbeil: Und nun bist Du 80. Das ist, so wie bei mir mit meinen 82 Jahren, ein „biblisches Alter“ und doch eigentlich Grund genug, um mit der Schreiberei von Beiträgen, mit den Antworten auf Leseranfragen und der Mitarbeit im Normenkomitee DIN VDE 0701-0702 aufzuhören? Reichen denn - ich muss da einfach mal respektlos fragen - die Kräfte dazu noch? Klaus Bödeker: Ja, ja ich verstehe schon, was Du meinst; mit dieser Frage schlage ich mich ebenso herum wie Du wohl auch. Sie wird ja mitunter auch anders formuliert, weniger nett: „Wann hört denn Ihr Alten endlich auf und räumt die Plätze?“ So oder ähnlich. In solchen Fällen bin ich ebenso respektlos und sage: „Bitte schreiben Sie doch an meiner Stelle einen Beitrag zu diesem Thema“ oder „Ich suche einen Mitautor für mein Buch, der sich dann bei der nächsten Auflage an die Spitze stellen wird“. Und schon werden sie kleinlaut, die Kritikaster. Es geht beim Aufhören ja nicht nur um das Wollen, sondern auch darum, wer die Arbeit weiter machen wird und was dann herauskommt. Meine Sorge ist: „Wo und wie finde ich sie, die sogenannten `jungen, dynamischen' Mitstreiter, die noch dazu genug Zeit und vor allem Enthusiasmus haben, um sich zum Beispiel der wenig lukrativen Aufgabe des Bücherschreibens zu widmen. Und außerdem: Es gibt nur wenige Elektrotechniker, die dann auch noch für den Praktiker verständlich, fachlich richtig und in einem guten Deutsch...“ - nein, jetzt zum Geburtstag bin ich ausnahmsweise mal still. Ein Beispiel für die Berechtigung dieser kritischen Bewertung will ich allerdings vorlegen, eines von vielen, das tausendfach unentdeckt durch die hoch angebundene Fachliteratur geisterte. Da schrieb doch einer: „ Wenn bei einer Berührung aufgrund kleiner Kontaktflächen nur mit kleinsten Berührungsströmen zu rechnen ist, kann auf eine Isolationswiderstandsmessung verzichtet werden.“ Wegen dieses unbefriedigenden Niveaus meine ich, um Deine Frage zu beantworten, werden wir noch gebraucht. Allerdings sollte man sich wirklich überlegen und fragen: „Wie lange reicht der Geist noch, um sich ungestraft auf ein so hohes Ross schwingen zu können.“ Zurzeit ist das bei uns wohl noch der Fall. Aus meiner Sicht, bis zum Beweis des Gegenteils. Heinz Senkbeil: Wir kennen uns nun schon seit vielen Jahrzehnten. Längst hat sich aus unserem fachlichen Zusammenwirken eine viele Probleme der Elektrosicherheit umfassende enge Zusammenarbeit ergeben, die uns auch freundschaftlich verbindet. Wir waren beide in Fachausschüssen der Kammer der Technik aktiv tätig, der Einsatz von Kabeln und Leitungen, die Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag, das Prüfen im Bereich bis AC 1000 V, die verkupferten Alu-Leiter, das alles und vieles andere waren heiße und - wie die stromlose Nullung - mitunter heikle Themen, mit denen wir uns da beschäftigten. Klaus Bödeker: Ja, und diese Vielfalt der fachlichen Aufgaben hat uns unsere Erfahrungen gebracht, hat uns ermöglicht, erzwungen, die Dinge von allen Seiten zu betrachten. Und genau deswegen können wir heute noch mitreden, haben wir unseren jüngeren Fachkollegen noch etwas zu sagen. Wir brauchen noch nicht `auf die Eisscholle'; so sollen früher die Inuits ihre Alten entsorgt haben, wenn sie zu wenig Robben fingen, um sich selbst zu ernähren, und den Jungen auf der Tasche lagen. Heinz Senkbeil: Nehmen wir den Vergleich der „guten alten Zeiten“ mit ihren VDE-Bestimmungen und TGL-Standards mit dem heutigen Zeitalter der harmonisierten, hin- und herübersetzten internationalen Normen. Oder anders gefragt: Haben wir - vor allem unsere jungen Fachautoren - das Informieren, das Anleiten der Praktiker heute genauso oder besser im Griff wie früher? Klaus Bödeker: Immer das rechte Maß bewahren und immer die Zielperson - den Praktiker - und dessen Interessen, Nöte und Wünsche vor Augen zu haben, das ist meine Bitte an unsere jungen Autoren. Wirklich umfassend kompetente Fachkollegen und deren Machtworte im Bereich der Elektrotechnik bis 1000 V sowie deren aktuelle Veröffentlichungen haben wir zu wenig. Wir hatten sie, wir kannten und kennen sie noch persönlich. Du weißt, wen ich meine: Wilhelm Rudolph und sein VDE-Buch Nr. 39; Rolf Müller, der ehemals für die Qualität der betreffenden DDR-Standards verantwortliche Fachkollege. Beide haben nicht nur dank ihrer überragenden Fachkompetenz, sondern auch gründlich, mit unterschiedlichem Temperament, bei den fachlichen Problemen unserer Vorgaben für Ordnung gesorgt. Heinz Senkbeil: Das klingt ja wie ein Bekenntnis zur „Diktatur in der Elektrotechnik“. Klaus Bödeker: Das könnte man so sagen. Allerdings sollten es wirklich rundum kompetente und anerkannte „befähigte Personen“ sein, denen eine solche Pflicht übertragen und zugestanden wird. Eine technische Regel, egal ob sie nun VDE-Bestimmung, TGL-Standard oder nunmehr auch TRBS zur Betriebssicherheit genannt wurde oder wird, sollte Teil der dienstlichen Arbeit und somit auch das Lebenswerk eines bestimmten Fachkollegen sein. So wie es bei Dir der Standard für die elektrische Wohnungsinstallation und bei mir der für das Prüfen elektrischer Anlagen waren. Nur dann, wenn das Herzblut darin steckt, siehe Rudolph und Müller, wird etwas Vernünftiges daraus, erhalten die Fachzeitschriften fachlich nützliche Beiträge, die sich nicht in Wischiwaschi verlieren. Heinz Senkbeil: Das heißt also, ich werde Dich möglicherweise zum 90. wieder interviewen und dann hören, was Dir an der dann harmonisierten Europanorm zum Prüfen der elektrischen Geräte nicht gefällt? Klaus Bödeker: Ich hoffe es für uns beide und für den ep. Heinz Senkbeil: Herzlichen Dank, lieber Klaus, für dieses muntere Gespräch und vor allem für Deinen Einsatz im Sinne unseres ep und für unser elektrotechnisches Miteinander in vielen seinen Heften. Dies auch im Auftrag der Redaktion und des Verlages. BRANCHE AKTUELL Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 10 788 Nachgefragt bei Klaus Bödeker Immer die Interessen des Praktikers vor Augen haben In wenigen Tagen vollendet Klaus Bödeker sein 80. Lebensjahr. Wie kaum ein anderer hat er das Prüfen elektrischer Geräte und Anlagen in den vergangenen Jahrzehnten aktiv und kritisch begleitet - sowohl in der Normungsarbeit als auch in unzähligen Fachbeiträgen. Zum runden Geburtstag unterhielt sich der Jubilar mit seinem langjährigen Wegbegleiter Heinz Senkbeil. Klaus Bödeker: „Immer das rechte Maß bewahren und immer die Zielperson - den Praktiker - und dessen Interessen, Nöte und Wünsche vor Augen zu haben, das ist meine Bitte an unsere jungen Autoren“ EP1010-788-795 21.09.10 09:52 Seite 788
Autor
- H. Senkbeil
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