Skip to main content 
Normen und Vorschriften | Elektrotechnik

Konzeptionelle Forderungen der Normenanwender

ep10/1999, 1 Seite

Durch die Harmonisierung der Normen erhöht sich deren Anzahl, der Inhalt wird umfangreicher und komplizierter und damit die Anwendbarkeit schlechter. Um diese Situation zu verbessern, bestehen aus der Sicht des ZVEH einige konzeptionelle Forderungen der Normenanwendergruppe "Elektrohandwerk".


Situation des Elektrohandwerks Der Charakter der Normungsarbeit hat sich durch Europäisierung und Internationalisierung wesentlich gewandelt. Es sind zunehmend Kompromisse zu finden, um unterschiedliche nationale Mentalitäten auf einen - zumeist „kleinsten“ - gemeinsamen Nenner zu bringen. Eine Gruppe klassischer Normenanwender sind die Elektrohandwerker, die als Mittler zwischen Herstellern, Betreibern und Endverbrauchern in den Bereichen Planung, Errichtung, Kundendienst und Instandhaltung auftreten. Ihre Dienstleistungen werden jedoch in den wenigsten Fällen ins Elektropraktiker, Berlin 53 (1999) 10 968 Report Ausland exportiert, sondern müssen vor Ort - hier in Deutschland - erbracht werden. Die Internationalisierung der Normung ist daher für den einzelnen Elektrohandwerksbetrieb in den wenigsten Fällen von direktem geschäftlichen Nutzen, sondern stellt vielmehr eine zusätzliche Belastung dar. Um diese möglichst gering zu halten, ist eine elektrohandwerkliche Präsenz in den Normenausschüssen notwendig [1]. Lesbarkeit der Normen Durch die Harmonisierung ist die Zahl der Normen wesentlich größer und der Inhalt immer umfangreicher (unübersichtlicher) geworden. Ein Grund hierfür ist, daß die Arbeitsteilung weiter zunimmt und immer mehr Spezialisten „schmalere“ Fachgebiete bearbeiten. Die Norm nimmt ja teilweise schon den Charakter von Lehrbüchern an. Außerdem werden vielfach Beratungspapiere erstellt, die einen Praxisbezug vermissen lassen. Manche unnötigen Sachverhalte werden in aller Breite behandelt, die eigentlich zu den Selbstverständlichkeiten für den praktischen Anwender gehören. Wichtige sicherheitstechnische Hinweise werden dagegen oft vergessen. Daraus resultiert eine schlechte „Lesbarkeit“ vieler Normen. Vorhandene deutsche Normen müssen außerdem wegen anderer Klassifikationen im internationalen Bereich „umgestellt“ werden, so daß es oft nicht mehr feststellbar ist, ob sich ein früher sehr wichtiger Sachverhalt in dem „Europapapier“ irgendwo an anderer Stelle wiederfindet. Gefordert werden deshalb · gut lesbare · knapp formulierte und · praxisorientierte Normen. Ein wichtiger Nebenaspekt, der mittlerweile in den deutschen Elektrohandwerken Aversionen gegen die Internationalisierung der Normungsarbeit hevorruft, ist das Sprachproblem. Es ist unbedingt notwendig, daß deutsche Schriftstücke mindestens gleichzeitig mit den englischen und französischen Papieren in den DKE-Gremien veröffentlicht werden, so wie es in der CEN/ CENELEC-Geschäftsordung verankert ist. Es wird längst nicht mehr beachtet, daß die Normen als als Richtschnur gedacht sind, um einen „Ermessensspielraum“ möglichst klug zu nutzen, also nach der besten, der vernünftigsten Entscheidung zu suchen. Die Normen werden nur noch platt befolgt. Technische Hilfsmittel Eine geeignete Software wird als ein sinnvolles Hilfsmittel für den Praktiker gesehen, um die fachspezifische Informationsflut zu verarbeiten. Sie sollte neben der planerischen auch die informelle Komponente beinhalten, die · den Umgang mit relevanten DIN-VDE-Normen erleichtert, · dem Praktiker für sein Berufsleben eine Arbeitshilfe und · dem Lernenden eine Unterstützung in der Ausbildung sein soll. Kennzeichnungspflicht In den letzten Jahren war zu beobachten, daß immer mehr Billiggeräte ohne notwendige Sicherheitsfunktion auf den Markt kommen. Zum Teil werden bei den Geräten die GS-Zeichen gefälscht, zum Teil werden zwar die Baumuster geprüft und zertifiziert, die Geräte dann aber von den Normen abweichend in einer abgemagerten Version produziert. Die Bedeutung des VDE-Zeichens als Ausweis für geprüfte und überwachte Sichterheit wächst damit weiter an. Durch die Überschwemmung des Markts mit mangelhaften Produkten besteht die Gefahr, daß das Sicherheitsniveau elektrotechnischer Produkte generell sinkt und seriöse Hersteller, die ihre Produkte strengen Prüfungen unterwerfen, benachteiligt werden. Zudem ist zu befürchten, daß durch eine Entwertung der Sicherheitszeichen die elektrotechnische Normung in Mitleidenschaft gezogen wird. Zu befürworten ist, daß das Präsidium des DIN die Bundesregierung bittet, darauf hinzuwirken, daß die Berechtigung zur Anbringung von Sicherheitszeichen (VDE, GS) neben dem CE-Zeichen nicht geschmälert wird. „Vetorecht“ im Sinne von Verbraucherschutz Aufgrund begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen ist es dem deutschen Elektrohandwerk weit weniger möglich, Einfluß in internationalen Gremien auszuüben, als dies global tätigen Großunternehmen möglichst ist. Daher ist darüber nachzudenken, ob es angesichts einer Zahl von 60.000 elektrohandwerklichen Betrieben in Deutschland nicht sinnvoll ist, dem unmittelbaren Partner, Kunde und Verbraucher, eine Art „Vetorecht“ zu gewähren. Dies sollte dazu führen, daß bei der Umsetzung der internationalen Normungsergebnisse in errichteten Anlagen das deutsche Elektrohandwerk die Möglichkeit erhält, bei nichtakzeptablen Forderungen für Deutschland, eine Ergänzung oder Restnormung einbringen zu können. Dieses Verfahren steht im übrigen im Einklang mit der CENELEC-Geschäftsordnung. Europäische Interessenverbände Der Mitgliedschaft Europäischer Interessenverbände bei CENE-LEC sollte ein ähnlicher Status wie den Nationalen Komitees eingeräumt werden. Dieser Wunsch trägt der Tatsache Rechnung, daß faßt 17 Millionen Betriebe in den 15 EU-Mitgliedstaaten Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) sind. Außerdem haben KMU allgemeine Probleme, wenn es um die Beschaffung von Informationen über die geltenden Normen und Vorschriften geht. Die europäische Interessenvertretung der deutschen Elektrohandwerke wird durch die Internationale Vereinigung der Unternehmungen für elektrische Anlagen (AIE) wahrgenommen. Diese erhielt kürzlich einen Beobachterstatus bei der CENELEC, jedoch kein Stimmrecht. Ohne Stimmrecht ist der Einfluß der AIE jedoch zu gering. So wäre es denkbar, daß die AIE versucht, ihre Ausarbeitungen in gesetzliche Regelungen der EU münden zu lassen. Damit würde der Gesetzgeber in die Normungsarbeit eingreifen. Das wäre nicht im Sinne der Anwender. Literatur [1] Schulze, B.: Normungsarbeit im ZVEH. Elektropraktiker, Berlin 53(1999)9, S. 848. B. Schulze Konzeptionelle Forderungen der Normenanwender Durch die Harmonisierung der Normen erhöht sich deren Anzahl, der Inhalt wird umfangreicher und komplizierter und damit die Anwendbarkeit schlechter. Um diese Situation zu verbessern, bestehen aus der Sicht des ZVEH einige konzeptionelle Forderungen der Normenanwendergruppe „Elektrohandwerk“. Buch-Verlosung 3. Verlosung 1999 Je ein Fachbuch bzw. die Jahrgangs-CD-ROM haben gewonnen: Konstantin Becker, Weißwasser Ralf Mann, Ahrenburg Dieter Muhl, Köln Carsten Schuhmacher, Castrop-Rauxel Allen Gewinnern einen herzlichen Glückwunsch. Wir danken Ihnen und natürlich allen Lesern unserer Fachbücher, die die beiliegende Antwortkarte mit Ihren Wünschen und Meinungen zurückgeschickt haben. Lektorat Verlag Technik

Autor
  • B. Schulze
Sie haben eine Fachfrage?