Inf.- und Kommunikationstechnik
Koaxiales Verteilungssystem - Teil 6: Dämpfer, Entzerrer, Filter und F-Stecker-Montage
luk11/2010, 2 Seiten
Entzerrer und Dämpfer Passive Komponenten des Verteilsystems dämpfen frequenzabhängig - zunehmend mit höherer Frequenz. Ein ursprünglich ausgewogenes Spektrum (also eines, bei dem alle Frequenzkomponenten mit gleicher Amplitude vorliegen) ist deshalb nach dem Durchlaufen des Verteilungssystems „schieflagig“. Die Pegeldifferenz zwischen den schwächer gedämpften tiefen und den stärker gedämpften hohen Frequenzen bezeichnet man als Schief-oder Schräglage (englisch: tilt). Sie auszugleichen ist die Aufgabe eines Entzerrers (englisch: equalizer). Es gibt Entzerrer zur Kompensation eines festen Schräglagenwertes (Festentzerrer) und einstellbare. Die Entzerrung wird bewirkt, indem der Entzerrer die niedrigen Frequenzen stärker als die hohen dämpft und damit die vorhandene Schieflage ausgleicht. Im Gegensatz zum Entzerrer senken Dämpfer den Pegel frequenzunabhängig. Auch hier gibt es Dämpfungsglieder für die Pegelreduktion um einen festen Wert und einstellbare (Dämpfungssteller). Der Einsatz von Dämpfern und/oder Entzerrern kann z. B. in der ersten Sat-ZF notwendig werden, wenn ein Satellitenempfänger Übersteuerungserscheinungen zeigt. Die prinzipielle Wirkungsweise von Dämpfern und Entzerrern zeigt Bild . Filter Filter können aus einem breitbandigen Signalgemisch (Spektrum) Anteile mit einer gewissen Bandbreite ausfiltern. Man unterscheidet zwischen Tief-, Hoch-und Bandpässen sowie Bandsperren. Im Durchlassbereich sollen Filter eine geringe Dämpfung und einen möglichst geradlinigen Frequenzgang (geringe Welligkeit) aufweisen, im Sperrbereich eine hohe Sperrdämpfung. Idealerweise ist der Übergang zwischen Sperr- und Durchlassbereich steil. Bild zeigt den Sachverhalt. Passive Filter aus Spulen und Kondensatoren können in beiden Richtungen betrieben werden: Zum abschnittsweisen Zerlegen eines Frequenzbandes oder zum Zusammenfügen nicht überlappender Frequenzabschnitte eignen sich Kombinationen aus den verschiedenen Filtertypen. Bild zeigt ein Beispiel für eine Filterkombination, die in der Anfangszeit des Antennentechnik LERNEN KÖNNEN 11/10 Trotz neuer Zugangsformen zum TV-System (z. B. über WLAN, Twisted-Pair- oder Glasfaserkabel) wird der größte Teil neuer Anlagen immer noch als koaxiales Verteilsystem aufgebaut. Die verwendeten Komponenten werden in dieser Beitragsfolge umfassend beschrieben. Entzerrer Dämpfer 250 500 750 1000 1250 1500 1750 MHz 2250 Entzerrern beheben Pegelschräglagen - Dämpfer senken den Pegel über den ganzen Frequenzbereich gleichmäßig ab 250 500 750 1000 1250 1500 1750 MHz 2250 Tiefpass Hochpass Bandsperre Bandpass Wichtige Selektionsmittel: Hoch-, Tief- und Bandpass sowie Bandsperre VHF UHF 47...860 MHz VHF UHF 47... 860 MHz VHF UHF 47... 860 MHz VHF UHF 47...860 MHz Sat 950...2150 MHz Sat 950...2150 MHz Sat 950... 2150 MHz Sat 950... 2150 MHz DH 33 DO 31 DO 33 DH 33 Weichenanwendung - terrestrisches Band wird dem Sat-ZF-Band hinzugefügt und wieder ausgekoppelt Koaxiales Verteilungssystem Teil 6: Dämpfer, Entzerrer, Filter und F-Stecker-Montage F a c h w i s s e n L e r n f e l d e r 6 - 1 3 Antennentechnik F a c h w i s s e n L e r n f e l d e r 6 - 1 3 10 LERNEN KÖNNEN 11/10 Satellitendirektempfangs häufiger anzutreffen war. In einer Einteilnehmeranlage mit einem LNB mit Einkabel-Sat-ZF-Ausgang sollen zugleich die terrestrischen Antennensignale dem Teilnehmer zugeführt werden. Eine technisch saubere Lösung ermöglicht der Einsatz von Vorsteckweichen (z. B. WISI DH 33). Sie bewirken als Hoch-Tiefpasskombination je nach Betriebsrichtung die frequenzselektive Aufteilung eines breitbandigen Spektrums von 47-2150 MHz in die Bereiche 47-860 MHz und 950-2150 MHz oder dessen Zusammenführung. Anstatt teilnehmerseitig die Ausgänge einer Vorsteckweiche mit einer Zweilochstichdose zu verbinden, kommt auch der Einsatz einer funktionsgleichen Filterdose in Frage. An den Dosenausgängen stehen nun frequenzmäßig sauber getrennt das terrestrische Band und die 1. Einkabel-Sat-ZF zur Verfügung. Außerbandstörungen der jeweiligen Endgeräte sind somit ausgeschlossen. F-Stecker In Antennenverteilungsanlagen hat der so genannte F-Stecker in Schraub- oder Crimp-Ausführung die früher üblichen IEC-Stecker weitgehend abgelöst (Bild ). Im Wesentlichen ist der F-Stecker eine Metallhülse, die auf das abgemantelte Koaxialkabel aufgeschraubt (F-Schraubstecker) oder gepresst wird (F-Crimpstecker). Der Innenleiter des Kabels bildet den Steckstift. Die Verbindung zur F-Buchse wird mittels einer Überwurfmutter hergestellt. Der F-Stecker hat große Vorteile. Er ist preiswert und schnell mit minimalem Werkzeugaufwand bei guter Qualität der HF-Verbindung zu montieren. Besonders das Schirmdämpfungsverhalten ist heute extrem wichtig und wird von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) wegen zunehmender Störstrahlungsprobleme immer stärker überwacht. Mit den richtigen Paarungen aus Stecker und Kabel hält man die schärfsten Schirmdämpfungsanforderungen der Klasse A sicher ein - vorausgesetzt, man beherzigt die nachfolgenden Montagehinweise. Montage des F-Schraubsteckers Absetzen des Koaxialkabels. Mit einem Teppichmesser werden in 6 mm Abstand zum Kabelende Kunststoffummantelung, Schirm und Dielektrikum bis auf den Innenleiter des Kabels durchtrennt und abgezogen. Nun äußerst vorsichtig weitere 8 mm des Mantels entfernen. Dabei dürfen keinesfalls Drähtchen des Abschirmgeflechts und die Abschirmfolie beschädigt werden. Aufpassen, dass die feinen Drähtchen des Schirmgeflechts nicht mit dem Innenleiter in Berührung kommen! Für das LNB-Signal und die Versorgungsspannung würde dies einen verhängnisvollen Kurzschluss bedeuten. Präzise, sauber und zeitsparend legen Abisolierwerkzeuge (sogenannte Kabelstripper) den Innenleiter und die Schirmung in einem Arbeitsgang frei (Bild ). Aufschrauben des Steckers. Die Kabelschirmung darf keinesfalls vor dem Aufschrauben des Steckers zurückgeschlagen werden, weil sie sonst durch dessen Gewindegänge zerschnitten würde. Wenn man sie auf dem Dielektrikum belässt, kommt sie nicht mit dem Schraubgewinde des F-Steckers in Berührung,sondern wird großflächig auf die konische Kontaktzone gepresst (Bild : gelbe Fläche auf grüne Fläche). Derartig aufgeschraubte Stecker sind weitgehend wasserdicht und hoch abzugsfest. Die elektrische Verbindung ist zudem äußerst langzeitstabil. Montage des F-Crimp-Steckers F-Crimp-Stecker werden mit einer geeigneten Crimpzange auf das korrekt vorbereitete Ende eines passenden Koaxialkabels unlösbar aufgepresst. Auch hier ist das richtige Zusammenwirken von Stecker, Kabel, Werkzeug und seiner Handhabung für die langfristige Verbindungsqualität ausschlaggebend. Crimpen ist eine zuverlässige, zeit- und kostensparende Verbindungstechnik. Absetzen. Der Innenleiter des Koaxialkabels ist auf einer Länge von 6 mm freizulegen. Dann ist der Außenmantel ohne Verletzung von Schirmfolie- und geflecht auf ebenfalls 6 mm Länge zu entfernen. Das Absetzen erfolgt am genauesten durch einen geeigneten Kabelstripper. Im Gegensatz zu F-Schraubsteckern muss das Schirmgeflecht bei F-Crimp-Steckern zurückgeschlagen werden, die Schirmfolie verbleibt auf dem Dielektrikum! Aufschieben. Nun wird der F-Crimp-Stecker auf das Kabel bis zum Anschlag aufgeschoben. Crimpen. Die geriffelte Hülse des F-Steckers wird in die passenden sechseckigen Backen einer Crimpzange eingelegt. Die Zangengriffe sind soweit zusammenzupressen, bis sich die Zange entriegelt. Erst jetzt ist die Crimphülse korrekt verformt und die Griffe lassen sich wieder öffnen. Bild zeigt die drei Schritte zur perfekten Steckverbindung: Absetzen - Aufschieben - Crimpen. Herstellerhinweise beachten. Bei der Wahl der Stecker-Kabel-Kombinationen richtet man sich am besten nach den Empfehlungen der Hersteller. Wer Kabel und Stecker eines Herstellers wählt und die F-Verbindung im Feuchtbereich durch selbst verschweißendes Dichtband oder Gummimuffen schützt, sollte langfristig keine Probleme haben. K. Jungk F-Stecker (links) haben die IEC-Ausführungen weitgehend verdrängt Kabelstripper - in einem Arbeitsgang exakt und schnell absetzen 8 mm 6 mm Koaxialkabel Schirm nicht umschlagen konische Andruckzone! F-Stecker Drei Schritte zur Crimpverbindung 1. Absetzen des Kabels 2. Aufschieben des Crimpsteckers 3. Aufquetschen des Crimpsteckers mit der Crimpzange F-Drehstecker-Montage Vor dem Aufdrehen des F-Steckers auf keinen Fall das Schirmgeflecht auf den Mantel zurückschlagen!
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- K. Jungk
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