Skip to main content 
Sicherheitstechnik | Elektrotechnik

Fluchttüren in elektronischen Schließsystemen

ep6/2009, 2 Seiten

Bei der Konzeption elektronischer Schließsysteme stellt die Einbindung von Fluchttüren, die zum Beispiel in Objektbauten erforderlich sind, eine besondere Herausforderung dar. Das hier beschriebene Schließsystem kann flexibel an die gestellten, teils widersprüchlichen Anforderungen angepasst werden.


Marktsituation Immer mehr Betreiber und Bauherren von Objekten wie Hotels, Kliniken, Verwaltungsgebäuden oder Freizeitbauten setzen auf elektronische Schließ- und Zutrittslösungen. Der deutsche Markt für elektronische Zutrittsmanagementsysteme wuchs laut der Beobachtung des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) im zuletzt betrachteten Jahresvergleich von 2006/2007 überproportional um 7 % gegenüber nur 3,9 % im gesamten Markt für Sicherheitstechnik. Vorzüge elektronischer Schließsysteme Die beschriebene Entwicklung resultiert u. a. auch daraus, dass elektronische Schließsysteme folgende Vorzüge gegenüber rein mechanischen Varianten bieten: Sicherheit: Wo viele Menschen arbeiten oder leben, sind naturgemäß viele Schlüssel im Einsatz. Elektronische Systeme gewährleisten ein höheres Sicherheitsniveau als mechanische, denn der elektronische Schlüssel lässt sich im System bei Bedarf schnell sperren. Folgekosten: Auch finanziell lohnt sich in einem solchen Fall der Einsatz der zunächst teureren Elektronik, da in einer mechanischen Schließanlage bei Verlust eines Schlüssels die Schlösser ausgewechselt werden müssen. Zutrittsmanagement: Nur durch den Einsatz von Elektronik ist es möglich, den Zutritt auch zeitlich zu begrenzen (z. B. Lieferanten, Reinigungspersonal oder externe Besucher). Auch die sogenannte Protokollierungsfunktion ist nur elektronisch realisierbar. Organisationsmanagement: Im Lauf der Zeit ändern sich bei Objektbauten oftmals die Nutzungssituationen im Gebäude. Zum Beispiel steht bei Bürogebäuden zum Baubeginn häufig noch gar nicht fest, wer es später einmal nutzen wird. Mieterwechsel sind auch bei begehrten Immobilien nie auszuschließen und die Umorganisation von bestehenden Abteilungen oder die Bildung projektbezogener Arbeitsgruppen mit temporären Büroräumen gehören zur modernen Arbeitswelt dazu. Ein elektronisches Schließsystem reagiert flexibel auf all diese Veränderungen. Bedienkomfort: Hoher Bedienkomfort, den z. B. berührungslose Schließsysteme bieten, nutzt nicht nur dem Anwender, sondern auch dem Betreiber. Gerade in der Hotellerie oder in der Zukunftsbranche Seniorenwohnen können Faktoren wie Komfort entscheidende Wettbewerbsvorteile sein. Durchgängige Systeme: Mit zeitgemäßer elektronischer Schließtechnik ist es möglich, das gesamte Gebäude von der Parkplatz- und Außenhautsicherung über die Innentüren bis hin zu den Möbelschlössern durch ein einziges durchgängiges System abzudecken. Funktionskombination: Zusatznutzen bieten elektronische Schließsysteme, wenn sie mit anderen Funktionen, wie der Zeiterfassung oder der Kantinenabrechnung, zu einheitlichen Lösungen, sogenannten Multiapplikationen, kombiniert werden. Sondertüren im Objektbau Elektronische Schließlösungen können die Wirtschaftlichkeit von Gebäuden erhöhen. Deswegen werden sie in Zukunft wohl noch größere Bedeutung gewinnen - auch für die Arbeit von Sicherheitsverantwortlichen und Fachplanern. Dabei stellt die normenkonforme Integration von Sondertüren in das Schließsystem besondere Anforderungen. Sondertüren sind Innen- oder Außentüren, die in Objektbauten eine besondere, genau definierte Funktion erfüllen. Flucht- oder Brandschutztüren lassen sich hier als die gängisten Beispiele anführen. Die Planung von Sondertüren erfordert zunächst eine genaue Analyse der objektspezifischen Anforderungen. Im intensiven Gespräch mit den künftigen Nutzern werden die jeweiligen Besonderheiten des Gebäudes, der Abläufe und Personenbewegungen festgestellt. Oft wird dabei deutlich, dass eine Tür ganz gegensätzliche Funktionen abdecken muss: Beispielsweise sollen sich die Betreuten in einem Kindergarten oder in einem Pflegeheim nur in bestimmten Bereichen bewegen, um sich nicht selbst zu gefährden. Andererseits sollen im Fall eines Feuers aber auch alle Personen schnell das Gebäude verlassen können. Deshalb muss eine ganzheitliche Planung von Türen und Schließtechnik über eine Organisation der Personenströme hinaus auch alle sicherheitsrelevanten und lebensrettenden Aspekte, wie Brandschutz oder Fluchtwege, unterstützen. Viele Lösungen sind in diesem Zusammenhang mit Hilfe elektronisch gesicherter Türen leichter zu realisieren als mit mechanischen. Fluchttüren Fluchttürverschlüsse sind alle Typen von Baubeschlägen, die entlang von Rettungswegen verwendet werden können. Die Anforderungen an mechanische Fluchttürverschlüsse, die ebenso bei den elektronisch gesicherten Türen zum Einsatz kommen, sind mit den Normen DIN EN 179 und Fluchttüren in elektronischen Schließsystemen Bei der Konzeption elektronischer Schließsysteme stellt die Einbindung von Fluchttüren, die zum Beispiel in Objektbauten erforderlich sind, eine besondere Herausforderung dar. Das hier beschriebene Schließsystem kann flexibel an die gestellten, teils widersprüchlichen Anforderungen angepasst werden. AUS DER PRAXIS AZUBIBÖRSE24.DE Ihre Portale für den Mittelstand Ausbildungsbörse, Jobbörsen, Betriebe zu kaufen und verkaufen, Meisterkurse sowie Fort- und Weiterbildungskurse Testen Sie uns! GESELLENJOBS.DE MEISTERSCHULEN.DE MEISTERJOBS24.DE FORTBILDUNG24.DE BETRIEBSÜBERNAHMEN24.DE Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 6 500 AUS DER PRAXIS DIN EN 1125 europaweit einheitlich geregelt. Arten von Fluchttüren Fluchttüren werden in in Notausgangs- und Paniktüren unterteilt. Der Unterschied zwischen beiden ergibt sich aus dem jeweiligen Anwendungsgebiet: Paniktüren kommen in öffentlichen Gebäuden zum Einsatz, wo die Besucher die Funktion der Fluchttüren im Notfall intuitiv erfassen müssen, z. B. in Supermärkten oder Messehallen. Notausgangstüren sind dagegen für Gebäude ohne öffentlichen Publikumsverkehr bestimmt, in denen Besucher die Funktion der Fluchttüren kennen. Fluchttürverschluss Ein Fluchttürverschluss muss vor allem gewährleisten, dass sich die Tür - im Unterschied zu einer „normal“ verschlossenen Tür - im Notfall besonders schnell und leicht öffnen lässt. Deshalb verfügt ein geeigneter mechanisch betätigter und verriegelnder Beschlag über eine Paniktür- bzw. Notausgangsfunktion. Die Realisierung dieser Funktion kann bei elektronischen Schließsystemen grundsätzlich auf zwei Arten erfolgen: · türseitig durch ein elektrisch kuppelbares Einsteckschloss mit Selbstverriegelung und Panikfunktion oder · bauseitig durch einen elektrischen Türöffner mit Fluchttüröffner. Beide Schließelemente werden im Normalbetrieb über ein Wandterminal mit dem elektronischen Schlüssel angesteuert. Im Notfall lässt sich die Tür durch ein RWS-Terminal (RWS = Rettungswegsystem) öffnen. Dies ist ein auffälliger roter Notknopf, der sich mit nur einer Handbewegung auslösen lässt - die Tür öffnet sich und zeitgleich wird ein Alarm ausgelöst. Hier lässt sich auch eine Brandmeldeanlage einbinden. Die Türsteuerungen entriegeln sich dann bei einem eventuellen Feuer selbstständig und geben den Weg nach außen frei. Praxisbeispiel Die neu erbaute Senioreneinrichtung „Martha-Maria“ in Nagold setzt an den Außen- und Innentüren ein elektronisches Schließsystem ein. Im Mai 2007 bezog die traditionsreiche Einrichtung mit 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 84 Bewohnern einen hochwertig ausgestatteten Neubau. Die meisten Außen- und fast alle Innentüren sowie auch einzelne Möbelschlösser wurden mit Komponenten des elektronischen Schließsystems Dialock von Häfele ausgestattet. Dieses System arbeitet berührungslos mit Transpondertechnologie, wobei der Transponder auf eine Kunststoffkarte aufgebracht ist. Insgesamt umfasst die Lösung rund 270 Schließpunkte. Zum Beispiel gewährleisten spezielle Schleusen-Lösungen an Lagerräumen für Schmutz- bzw. Frischwäsche, dass der Lieferant der externen Wäscherei jederzeit Zugang zu den Ladebereichen erhält. Gleichzeitig muss diese Tür auch als Fluchtweg sowie als versicherungstechnischer Verschluss dienen. Dieser Doppelrolle wird ein mechanisch selbstverriegelndes Motorschloss mit mehreren Verriegelungspunkten auf der Stulpseite gerecht. Da im Erdgeschoss dieses Seniorenzentrums demente Bewohner betreut werden, sorgt ein sogenanntes Patientenschutzsystem dafür, dass sich desorientierte Personen frei bewegen können - sie tragen dafür ein Armband mit mobilem Sender. Dieser reagiert sobald sich die tragende Person der Abteilungstür nähert. Die durch dieses System gesicherte Tür hat auch Fluchttür-Funktion, sodass hier eine Sonderlösung realisiert wurde: Die Brandmeldeanlage hebt die automatische Verriegelung im Brandfall auf. Weitere mit dem vorgestellten System gesicherte Fluchttüren erforderten ebenso die intelligente Verknüpfung von mechanischen und elektronischen Elementen. So muss eine Abschlusstür zum Treppenhaus sowohl die Aufgabe einer Flucht- als auch die einer Brandschutztür übernehmen. Darüber hinaus sollte im Tagesbetrieb die Kurzzeitfreigabe durch die Ansteuerung eines vorgeschalteten Fluchtürterminals über Wandleser innen und außen eine mögliche Begehung der Tür regeln. Während eine Fluchttür im Alarmfall über die Brandmeldeanlage automatisch freigeschaltet wird, muss eine Brandschutztür entsprechend den EN-Normen im selben Fall geschlossen bleiben. Dadurch wird ein Ausbreiten des Feuers verhindert bzw. zeitlich verzögert. Diese gegensätzlichen Anforderungen sind durch eine Tür mit zwei unterschiedlichen, untereinander angeordneten Türverschluss-Systemen erfüllt (Bild ): Ein System arbeitet in Ruhestromfunktion, das andere mit Arbeitsstrom. Wird der Fluchttüröffner durch Ansteuerung der Brandmeldeanlage über das Fluchttür-Terminal freigegeben, bleibt die Falle des zweiten Schlosses vorschriftsgemäß im Schließblech und hält die Tür geschlossen. Die Fluchttürfunktion erfüllt diese Tür dennoch, denn das zweite Schloss lässt sich problemlos über eine normale Drückergarnitur betätigen. Im Normalbetrieb werden beide Schlösser parallel über Dialock-Wandterminals gesteuert. Bei zwei Fluchttüren zum Außenbereich waren ein unverschließbares Panikschloss und dennoch ein versicherungstechnischer Verschluss gefordert. Dies wurde durch eine selbstschließende Dreifachverriegelung gelöst. Mit verdeckt liegenden Kabelübergängen für das Motorschloss und Obentürschließern entsprechen beide Türen der VdS-Klasse A (Bild ). Zudem stabilisieren die zusätzlichen Schließpunkte die 2,50 Meter hohe Aluminiumtür. Fazit Elektronische Schließsysteme erhöhen den wirtschaftlichen Nutzen eines Gebäudes. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf das Organisationsmanagement sowie auf sich ändernde Nutzungssituationen. Bei der Realisierung solcher Schließlösungen stellen elektronisch gesicherte Sondertüren besondere Anforderungen. Sie bieten jedoch auch Möglichkeiten, die beim Einsatz von rein mechanischen Verschlüssen nicht denkbar wären, wie beispielsweise die Anbindung von Fluchttüren an die Brandmeldeanlage eines Gebäudes. F. Brandenburg Kombinierte Flucht- und Brandschutztür mit zwei verschiedenen, untereinander angeordneten Türverschlusssystemen Unverschließbares Panikschloss sowie versicherungstechnischer Verschluss an einer als Fluchttür ausgelegten Außentür Fotos: Häfele

Autor
  • F. Brandenburg
Sie haben eine Fachfrage?